21.03.2010

Gelbsuchtfälle durch getrocknete Tomaten jetzt auch in Holland

Auch in den Niederlanden kommt es zu einer Häufung von Hepatis-A-Infektionen durch getrocknete Tomaten...

Seit Anfang des Jahres sind in den Niederlanden mindestens 14 Personen an einer Hepatitis A erkrankt, die im Zusammenhang mit dem Verzehr von getrockneten Tomaten steht. Wie die Europäische Seuchenbehörde ECDC mitteilte, wurden diese Erkrankungen durch einen Virustyp verursacht, der offenbar aus der Türkei stammt. Anfang März wurde auch aus Frankreich eine Häufung von Gelbsuchtfällen gemeldet, die auf mit Hepatitis-A-Viren kontaminierte Tomaten zurückgeführt werden konnte. Im australischen Bundesstaat Victoria erkrankten 2009 mehr als 240 Personen an dieser Form der infektiösen Leberentzündung - auch hier gab es eine Verbindung zu getrockneten Tomaten aus der Türkei. „Das Virus, das in Australien die Epidemie ausgelöst hat, ist identisch mit dem Erreger, der jetzt bei den Patienten in Holland isoliert werden konnte. Insofern muss man davon ausgehen, dass es hier einen ähnlichen Infektionsweg gibt. Wir wissen, dass das Hepatitis-A-Virus relativ umwelt-resistent ist und über längere Zeit vermehrungsfähig bleibt. Die Erreger werden mit der Nahrung aufgenommen und vermehren sich dann in der Leber. Meist verläuft eine Hepatitis A relativ harmlos und ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Es gibt aber auch sehr schwere Verläufe - insbesondere bei älteren Patienten und Personen, die eine Vorerkrankung haben", erläutert Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten. Bei zwei Männern in den Niederlanden führte die Infektion zu einem akuten Leberversagen, das eine Transplantation des Organs notwendig machte. Die Patienten, die zwischen 30 und 50 Jahre alt waren, litten - den Angaben zufolge - nicht an einer Grunderkrankung. Die Hintergründe des fulminanten Verlaufes der Hepatitis A werden noch untersucht. Das Robert Koch-Institut meldet für Deutschland noch keine Hepatitis-A-Infektionen, die im Zusammenhang mit dem Verzehr von getrockneten Tomaten aus der Türkei stehen. Ob mit Hepatitis-A-Viren kontaminierte getrocknete Tomaten hierzulande im Handel sind, ist nicht bekannt.

Impfempfehlung für Reisen in die Türkei

„Hepatitis A ist in der Türkei noch immer weit verbreitet. Ungeschützte Touristen sollten sich daher vor Reisen in die Türkei lieber impfen lassen. Das gilt auch für Pauschalurlauber - denn die Infektion erfolgt über die Nahrung und eine Infektion kann auf einem Markt genauso erfolgen wie in einer geschlossenen Hotelanlage", warnt Löscher, der auch Leiter des Münchner Tropeninstitutes ist.
Hepatitis A beginnt häufig mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Schmerzen im Bereich der unteren rechten Rippenbögen. Auch Fieber und Durchfälle können auftreten. Im weiteren Verlauf folgt eine Dunkelfärbung des Urins, Hellfärbung des Stuhls und anschließend die typische Gelbsucht mit Gelbfärbung von Haut und Augen. Mitunter klagen die Patienten während der akuten Krankheitsphase auch über starken Juckreiz. Da infizierte Personen bereits 1-2 Wochen vor Auftreten erster Krankheitssymptome ansteckend sind, können sie die Viren unbemerkt weiterverbreiten.

Erwachsene sind nach einer erfolgten Hepatitis-A-Immunisierung mindestens 15 Jahre geschützt. Erforderlich sind dafür 2 Impfungen im Abstand von 6-12 Monaten. Der Hepatitis-A-Schutz ist bereits 10 Tage nach der ersten Impfung vorhanden und kann daher auch noch kurzfristig z.B. vor der Osterreisezeit erfolgen.