12.06.2012
Gelenkschäden durch Rheuma nicht umkehrbar
Auch im Vorfeld des Internistenkongresses wurde betont: Rheumatoide Arthritis sollte sofort fachärztlich behandelt werden, zumal Gelenkschäden nicht rückgängig zu machen sind.
Etwa 500.000 Menschen in Deutschland leiden unter einer Rheumatoiden Arthritis. Die schmerzhafte rheumatisch-enzündliche Erkrankung zerstört nach und nach die Gelenke. Um ihr Fortschreiten aufzuhalten, ist es wichtig, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Schlägt eine Therapie nicht an, sollten Ärzte möglichst rasch eine andere ansetzen. Dies wurde auch von Experten im Vorfeld des 118. Internistenkongresses empfohlen, der vom 14. bis 17. April 2012 in Wiesbaden stattfindet. Denn rheumatische Schäden an den Gelenken lassen sich nicht rückgängig machen.
Erste Anzeichen einer Rheumatoiden Arthritis sind schmerzende, geschwollene Finger- und Handgelenke - insbesondere morgens. Im Verlauf gehen die entzündlichen Prozesse auf alle Gelenke des Körpers über. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten zerstört die Krankheit die knöchernen Verbindungen unwiederbringlich. Dabei ist Rheuma keine Krankheit der älteren Jahrgänge: Etwa drei Viertel der Betroffenen erkranken zwischen dem dreißigsten und fünfzigsten Lebensjahr: „Viele von ihnen durchleben einen schweren und langen Leidensweg", berichtet Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner, Rheumatologe an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim mit Lehrstuhl an der Justus-Liebig Universität Giessen. Doch Rheumatoide Arthritis befällt nicht ausschließlich die Gelenke: Betroffene sind auch anfälliger für Erkrankungen wie Arterienverkalkung, Knochenschwund oder Lungenfibrose, ihre Sterblichkeit ist erhöht.
Ursache entzündlichen Rheumas ist eine fehlgeleitete körpereigene Abwehr: Das Immunsystem greift den eigenen Körper an und ruft dabei Entzündungen an den Geweben hervor. Selbst schützen könnten sich Patienten gegen die überwiegend erblich bedingte Erkrankung kaum, meint Müller-Ladner: „Doch falls sie Raucher sind, können sie einen ganz entscheidenden Risikofaktor stoppen, indem sie sofort damit aufhören", sagt der Experte. Zigaretten erhöhen nicht nur das Erkrankungsrisiko. Rheuma verläuft bei Rauchern auch erheblich schwerer als bei Nichtrauchern.
„Davon abgesehen hat sich die Therapie der Rheumatoiden Arthritis in den letzten Jahren grundlegend gewandelt", erläutert Müller-Ladner. Vor allem die Behandlung mit so genannten DMARDs lindere die Krankheit, da dadurch die fehlgesteuerte Immunreaktion des Körpers gehemmt werde. „Dabei sollte die Therapie möglichst früh einsetzen, nach dem Motto: hit hard and early", betont Professor Müller-Ladner. Dafür sollten Ärzte Antirheumatika mit individuell dosierten Glukokortikosteroid-Präparaten kombinieren. Auch gebe es Medikamente, die den Patienten die morgendlichen Schmerzen nehmen. Helfe dies nicht, komme auch eine Therapie mit so genannten Biologika in Frage. Diese Medikamente greifen gezielt in die entzündlichen Vorgänge ein, indem sie Signalwege zwischen den Zellen blockieren. „Sobald wir merken, dass eine Therapie nicht wirkt, müssen wir möglichst rasch nach Alternativen suchen und umstellen", ergänzt Müller-Ladner. Auf dem 118. Internistenkongress in Wiesbaden hat der Rheumatologe über neueste therapeutische Ansätze gegen Rheuma referiert.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
