14.07.2011
Gemeinsamer Preis für zwei Rheumaforscher
Zwei Rheumatologen aus den Niederlanden und Berlin erhalten für ihre Errungenschaften auf dem Gebiet der Rheumaforschung den diesjährigen Carol-Nachman-Preis
Zwei international renommierte Rheumatologen erhalten in diesem Jahr zu gleichen Teilen den Carol-Nachman-Preis für Rheumatologie: Prof. Désirée van der Heijde vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden und Prof. Andreas Radbruch vom Deutschen Rheumaforschungszentrum Berlin. Sie werden gewürdigt für ihre Forschungen zur Krankheitsbeurteilung und zum Immungedächtnis bei entzündlichem Rheuma. Ein unabhängiges Kuratorium, bestehend aus elf namhaften Experten der Rheumatologie und Vertretern der Stadt Wiesbaden, entschied über die diesjährigen Gewinner.
„Die beiden Preisträger ergänzen sich in idealer Weise, obwohl sie auf ganz unterschiedlichen Feldern arbeiten", erläutert Prof. Elisabeth Märker-Hermann, Vorsitzende des Kuratoriums. „Radbruch ist ein Grundlagenforscher und Immunologe, der die Basis für die Entstehung und Chronifizierung rheumatischer Erkrankungen erforscht und die Vision Rheuma ist heilbar voranbringt. Der jetzige Stand der klinischen Rheumatologie ist hingegen ohne van der Heijde kaum denkbar", fügt sie hinzu. „Sie ist die weltweit führende klinische Forscherin in der Definition von OUTCOME-Parametern - dem komplexen Ergebnis medizinischer Behandlungen zwischen objektiv gemessener Krankheitsaktivität und Patienten-orientierten Kriterien wie Schmerz und Lebensqualität. Ohne diese Parameter wären die Therapiestudien des vergangenen Jahrzehnts nicht denkbar gewesen."
Verbesserte Beurteilung von Krankheitsverlauf und Therapieerfolg
Um beurteilen zu können, wie aktiv eine Rheumatoide Arthritis ist und ob eine Therapie anschlägt, bedarf es geeigneter Instrumente. International etablierter Standard in Studien wie Praxisalltag ist hierfür der Disease Activity Score 28 (DAS28) - maßgeblich mitdefiniert und validiert von Désirée van der Heijde. Darüber hinaus entwickelte die Rheumatologin aus den Niederlanden ein Graduierungssystem für Röntgenbilder, um den Krankheitsverlauf bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) zu beurteilen, wobei sie auch entscheidende, neue Klassifikationskriterien der AS begründete.
Das pathogene Immungedächtnis für die rheumatische Entzündung
Die Arbeiten von Andreas Radbruch liefern einen neuen Ansatzpunkt, um den Autoimmunprozessen bei entzündlichem Rheuma gezielt entgegen zu wirken - nämlich die Möglichkeit, selektiv nur das pathogene Immungedächtnis auszuschalten, ohne das Immunsystem komplett zu zerstören und dann unter großen Risiken von Null wieder aufbauen zu müssen. Die Forschung des Berliner Wissenschaftlers trägt entscheidend bei zur Unterscheidung von schützendem und schädigendem immunologischen Gedächtnis. Radbruch entdeckte molekulare Unterschiede von T-Helferzellen der beiden Immungedächtnisarten und konnte erstmals T-Helferzellen des schützenden Immungedächtnisses im Knochenmarkt lokalisieren (siehe auch www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1068_erforschung-des-immunologischen-ged-chtnisses-geht-voran.html).
Quelle: Journal MED
