06.10.2015

Geringe Therapietreue bei Rheumatoider Arthritis verringert Lebensqualität

Mangelndes Befolgen der Therapiemaßnahmen kann den Therapieerfolg, die Krankheitsaktivität und fortschreitende Gelenkzerstörung negativ beeinflussen und die Lebensqualität der Patienten senken.

Die Behandlung der Rheumatoiden Arthritis scheitert offenbar recht oft an der fehlenden Therapietreue der Patienten. Und das, obwohl mittlerweile eine Vielzahl an effektiven Medikamenten zur Verfügung steht, mit denen bei vielen Patienten ein anhaltender Krankheitsstillstand (eine sog. Remission) erzielt werden könnte. Eine suboptimale Therapietreue (sog. Therapieadhärenz) kann den Behandlungserfolg bei Rheumatoider Arthritis (RA) allerdings gefährden und sich negativ auf die Krankheitsaktivität und das radiologisch nachweisbare Fortschreiten der Gelenkzerstörung auswirken. Außerdem führt eine schlechte Therapietreue auch zu einer geringeren Lebensqualität. All dies belegen aktuelle Daten verschiedener Studien zur Therapieadhärenz bei rheumatoider Arthritis, die kürzlich auf der Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Bremen diskutiert wurden.

Eine Untersuchung, die erstmals schon beim Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) 2015 vorgestellt worden war, ermittelte das Ausmaß des Nicht-Befolgens bzw. Nicht-bis zum Ende-Befolgens (Non-Adhärenz bzw. Non-Persistenz) einer Therapie mit Methotrexat (MTX) - das in den Leitlinien der der DGRh als First-Line-Präparat empfohlen wird - anhand von Krankenkassendaten einer deutschen Krankenversicherung von mehreren Tausend RA-Patienten aus den Jahren 2010-2013. Die Analyse zeigte, dass 18,6% der neu diagnostizierten RA-Patienten, die MTX erstmalig verordnet bekamen, die Therapie im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn abbrachen. Weitere 19,3% der Patienten führten die MTX-Behandlung nicht wie verordnet fort und wurden als nicht adhärent klassifiziert.

Wie Prof. Dr. Klaus Krüger, praktizierender Rheumatologe im Münchener Praxiszentrum St. Bonifatius, erläuterte, deutet diese erstmals basierend auf einem großen „real-life RA-Patientenkollektiv" durchgeführte Analyse auf eine suboptimale Therapieadhärenz und -Persistenz für MTX in Deutschland hin. „Das Ausmaß der Non-Adhärenz und Non-Persistenz hat uns überrascht", betonte Krüger. „Besonders bedenklich stimmt mich ein weiterer Befund: Bis zu 65% der Patienten, die die Therapie im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn abbrachen, erhielten keinerlei weitere rheumatologische Basistherapeutika im Jahr nach Therapieabbruch."

Der bislang noch wenig untersuchte Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Therapietreue (Adhärenz) war Gegenstand der von Prof. Dr. Jens Gert Kuipers aus Bremen geleiteten TRACE-Studie, die erstmals beim DGRh-Kongress 2015 vorgestellt wurde. Die ersten Auswertungen zeigten das Muster eines schwachen, aber statistisch bedeutsamen Zusammenhanges, der sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Je schlechter die Therapieadhärenz (basierend auf der Einschätzung des Arztes), umso:

höher die Krankheitsaktivitätgrößer die Müdigkeit (Fatique)weniger Lebensqualität im körperlichen und psychischen Bereich.

Kuipers sieht durch die Daten die Annahme bestätigt, dass eine höhere Adhärenz auch mit einer höheren Lebensqualität verbunden ist: „Bei den Patienten mit einer durch den Arzt eingeschätzten sehr hohen Adhärenz fällt die körperliche und psychische Lebensqualität höher aus. Diese Patienten weisen beispielsweise ein geringeres Maß an Müdigkeit bzw. Fatigue und weniger Probleme mit Alltagstätigkeiten auf."

Kuipers zufolge könne ein besseres Verständnis von Non-Adhärenz und den beteiligten Einflussfaktoren dazu verhelfen, patientengerechte Therapielösungen zu finden, die von den Patienten stärker akzeptiert werden, so dass sie eine größere Therapietreue entwickeln. Das würde dazu beitragen, das Therapieergebnis zu verbessern.

Quellen:

Müller S et al., Poster FRI0148, EULAR 2015. Contreras-Yánez et al., AJMS 2010; 340: 282-290. Kuipers JG et al., Poster EV.22, DGRh 2015. Weimann CA et al., Arthritis Rheum 2013; 65: 1421-1429. van den Bemt BJ, Zwikker HE, van den Ende CH, Expert Rev Clin Immunol 2012; 8: 337-351.