29.07.2007

Giftige chinesische Heilmittel sind über Internet erhältlich

Verschiedene Chinesische Schlankheitsmittel enthalten pflanzliche Inhaltsstoffe, die zu schwersten Nierenschäden und zu Blasenkrebs führen können...

Obwohl Präparate, die Aristolochiasäuren enthalten, in Deutschland seit 1982 verboten sind, können sie weiterhin über das Internet bestellt werden, wie eine Recherche des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) ergab.

Die Präparate werden vor allem als Schlankheitsmittel, gegen Magen-/Darmbeschwerden, Husten und zur Stärkung des Immunsystems angeboten. Sie enthalten Bestandteile von Pflanzen der Gattung Osterluzei-Gewächse, in denen Aristolochiasäuren natürlicherweise vorkommen.

Bereits 2003 warnten amerikanische Krebsmediziner in einem Brief an die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, dass trotz des Verbots in diversen Ländern und einer Warnung der FDA vor der nierenschädlichen und krebserregenden Wirkung von Aristolochiasäuren nach wie vor 19 Produkte mit diesen Inhaltsstoffen erhältlich sind. 95 weitere standen damals im Verdacht, die Giftstoffe zu enthalten.

Eine Überprüfung durch den Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ergab nun, dass viele dieser Präparate auch in Deutschland weiter über das Internet zu beziehen sind (s. Abbildung). „Die Tatsache, dass diese gefährlichen Substanzen trotz eines Verbots in Deutschland so leicht zu beziehen sind, ist eine potenzielle Bedrohung der Gesundheit vieler Menschen", warnt Prof. Uwe Heemann vom BDI. Dies zeige, dass der Schutz vor gesundheitsgefährdenden Arznei- und Heilmitteln im Internet nach wie vor nicht gesichert ist.

Weitere Vergiftungsfälle - trotz Verbotes

Wie gefährlich dies sein kann, zeigt ein Artikel des international angesehen britischen Fachmagazins Lancet im letzten Jahr. Darin berichten die Autoren von einem 30-jährigen chinesischen Patienten, der 2003 mit Blut im Urin in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert wurde. Der junge Mann hatte über 5 Jahre hinweg ein chinesisches Präparat eingenommen, um seine Leber zu stärken. Das Mittel, das vom Hersteller aufgrund einer Warnung der FDA eigentlich bereits 2002 vom Markt genommen worden war, enthält Caulis aristolochia manshuriensis, die wiederum als aktive Bestandteile Aristolochiasäuren enthält. Die Untersuchungen ergaben, dass der Patient an einem Blasentumor litt, der mehrfach operativ entfernt werden musste. 3 Jahre später kam es zusätzlich zu einem völligen Nierenversagen.

Verschiedene andere Fachzeitschriften hatten zuvor bereits über ähnliche Fälle berichtet. So kam es zwischen 1990 und 1992 in einer belgischen Klinik zu massiven Nierenschädigungen bei Patienten, denen zuvor im Rahmen einer Schlankheitskur ein Aristolochiasäure-haltiges Präparat verabreicht worden waren. Eines der ursprünglichen Kräuter war versehentlich durch die Aristolochiasäure-haltige Aristolochia fanghi ersetzt worden. Von den 39 Patienten, denen vorsorglich die Nieren und Harnleiter entfernt wurden, hatten 18 Tumore in den Harnleitern. Zusammen mit weiteren Vergiftungsfällen ergaben die Analysen, dass 200 Gramm der Pflanzen ausreichen, um das Risiko für Blasenkrebs dramatisch zu erhöhen.

Insgesamt wurden weltweit in 9 verschiedenen Ländern - darunter auch Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien - Fälle von Aristolochiasäure-bedingten Nierenschäden beobachtet. Doch lediglich in Deutschland, Japan, Malaysia, Neuseeland, Großbritannien und Australien sind solche Produkte verboten. Bekanntestes Produkt in Deutschland war das seit 1953 rezeptfrei erhältliche Frauengold®, das in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern als Herz-Kreislauf-Stärkungsmittel („Tonikum") erhältlich war.

Nierenschäden durch verseuchtes Getreide

Eine weitere Gefahr geht von den Substanzen durch verunreinigtes Mehl aus. Jahrzehntelang war über die Ursache der so genannten Balkan-Nephropathie gerätselt worden. Die Erkrankung tritt nur in Bosnien, Kroatien, Bulgarien und Rumänien auf und betrifft ausschließlich Menschen, die länger als 15 Jahren in den betroffenen Gebieten lebten. Auch hier leiden die Betroffenen unter schweren Nierenschäden in Verbindung mit Blasenkrebs. Eine aktuelle Studie belegt nun, dass die Samen der Osterluzei, die in diesen Gebieten wild auf den Feldern wächst, in die Ernte gelangen kann und gemeinsam mit dem Getreide gemahlen wird. Das Aristolochiasäure-haltige Mehl vergiftete die Menschen so schleichend über Jahre.

Aristolochiasäuren aus Pfeifenblumen schädigen die Nieren

Arten der Gattung Aristolochia (Pfeifenblumen) enthalten die giftigen Aristolochiasäuren vor allem in den Wurzeln und Samen. Es gibt etwa 480 Arten dieser Gattung, die weltweit verbreitet sind. Die einzigen heimischen Arten sind die Haselwurz und die Osterluzei, die beide früher als Heilpflanzen, z. B. gegen Schlangenbisse, Menstruationsbeschwerden, als Brech- oder auch als Abtreibungsmittel, eingesetzt wurden. Aristolochiasäuren aus den Pfeifenblumen können an das Erbgut von Zellen in den Nieren und der Blase binden und so Mutationen und Krebs auslösen.

Eine Liste mit Aristolochiasäure-haltigen Mitteln finden Sie hier.

Quellen:
Lancet 2006, 368: S. 338
New Englan Journal of Medicine 2000, 342: S. 1687
Proceedings of the National Academy of Sciences 2007, 104: S. 1229

Verschiedene Nachrichten rund umd die Nieren finden Sie auch unter www.aerzte-im-netz.eu/

 

© Internisten-im-Netz

Impressum

Datenschutz

Bildquellen

Kontakt

Herausgeber

Berufsverband Deutscher Internisten e.V.