12.09.2012

Häufigkeit von Vorhofflimmern soll sich bis 2050 verdoppeln

Im Hinblick auf die Altersstruktur unserer Bevölkerung gehen Kardiologen davon aus, dass bis 2050 doppelt so viele Fälle mit Vorhofflimmern auftreten werden.

Kardiologen erwarten in den nächsten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme von Herzkrankheiten. Die Bevölkerung werde immer älter - und im Alter nehme das Risiko zu, am Herz zu erkranken, erläutert Prof. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Kardiologie am Klinikum München-Bogenhausen. Beim Vorhofflimmern - der häufigsten anhaltenden Herzrhythmusstörung - werde bis 2050 mit einer Verdopplung der Patientenzahl gerechnet. Vorhofflimmern sei mit ein bis zwei Prozent Betroffenen in der Bevölkerung schon jetzt eine Volkskrankheit.

Nach Angaben von Hoffmann steige das Risiko bei Vorhofflimmern von unter einem halben Prozent bei 40- bis 50-Jährigen auf 5 bis 15 Prozent mit 80 Jahren. Neben dem Alter spielen auch Bluthochdruck und die koronare Herzerkrankung eine Rolle. Vorhofflimmern habe nichts mit dem plötzlichen Herztod durch Rhythmusstörungen aus der Herzkammer zu tun und sei an sich nicht lebensbedrohlich. Häufig seien die Patienten aber durch plötzliches Herzrasen in der Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Zudem steige das Schlaganfallrisiko. Etwa 30 Prozent aller Schlaganfälle seien auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Um dieses Risiko zu reduzieren, werde zur Blutverdünnung seit fast 50 Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, eingesetzt. Dieses Medikament erfordert aber eine sehr genaue Einstellung und ständige Kontrolle der Patienten. Mittlerweile ständen auch zwei neue Blutverdünner zur Verfügung, die nicht mehr solch regelmäßiger Kontrollen bedürfen. Allerdings sei ihr Einsatz an ganz bestimmte Kriterien gekoppelt, weitere Substanzen seien auch noch im Zulassungsprozess.

Das Vorhofflimmern selbst ist bis heute gar nicht so leicht zu behandeln. Auf Medikamente sprechen höchstens die Hälfte der Patienten an, dabei nehme die Effektivität über die Jahre ab und es komme zu unerwünschten Nebenwirkungen. Deshalb versuche man immer öfter, den Patienten mit Eingriffen über Katheter zu helfen. Dabei werden über Radiofrequenzstrom oder Vereisung mit einem in der Vene platzierten Ballon gezielt Narben im Herzen gesetzt, um die Weiterleitung der falschen Impulse ins Herz zu unterbrechen. Diese sogenannte Katheterablation bringe bei anderen Formen des Herzrasens seit mehr als zwanzig Jahren sehr gute Ergebnisse mit über 90 Prozent Erfolg und unter einem Prozent Komplikationen. Beim Vorhofflimmern funktioniere die Methode allerdings nur bei 60 bis 80 Prozent der Patienten, gelegentlich müssten sie einen zweiten Eingriff über sich ergehen lassen und bei drei Prozent gebe es Komplikationen. Deshalb sei diese Methode nur für bestimmte Patienten geeignet.

Sport, Verzicht aufs Rauchen sowie Vermeidung von Übergewicht und Bluthochdruck seien wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung. In einigen Fällen sei Vorhofflimmern zunächst auch ganz leicht zu behandeln - zum Beispiel wenn Alkohol die Ursache ist. Prosecco und vor allem Rotwein, der nach Ansicht vieler doch gut fürs Herz sein soll, können nämlich gelegentlich auch den Herzrhythmus durcheinanderbringen. Bei diesem sogenannten Holiday-Heart-Syndrom beginne vier bis sechs Stunden nach dem Alkoholkonsum das Vorhofflimmern. Dann gestaltet sich Therapie simpel und beinhaltet reine Abstinenz.

Quelle: dpa

 

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