18.08.2015
Helfen Naturheilverfahren bei Rheuma?
Alternative Heilverfahren gegen Rheuma - alles Unsinn oder kann die Komplementärmedizin eine sinnvolle Ergänzung der Rheuma-Behandlung darstellen?
Alternative Heilverfahren werden auch in der Rheuma-Therapie von den Patienten häufig nachgefragt. Um sie sinnvoll in die medizinische Versorgung der Betroffenen einbeziehen zu können, ist jedoch eine kritische Gewichtung nötig. Denn es gibt auch einige „schwarze Schafe" auf dem Markt. Die Wirksamkeit einer ganzen Reihe komplementärer Methoden ist aber inzwischen wissenschaftlich belegt.
Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis (RA). „Neben der medikamentösen Therapie fragen uns diese Patienten immer häufiger nach Verfahren der Naturheilkunde und Komplementärmedizin", berichtet Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin. „Am häufigsten wenden wir derzeit die Fastentherapie bei RA an", so Michalsen, dessen Übersichtsarbeit zu Naturheilverfahren und Rheuma in Kürze in der Fachzeitschrift „Der Rheumatologe" erscheinen wird. Denn so genanntes Heilfasten unterstützt nachweislich die medikamentöse Therapie entzündlicher Prozesse. Voraussetzung ist eine Fastendauer von sieben bis zehn Tagen etwa einmal pro Jahr. Ob auch kürzere Fastenzeiten oder Intervallfasten an ein oder zwei Tagen pro Woche ausreichend sind, ist derzeit Thema mehrerer Studien.
Einige Ärzte empfehlen pflanzliche Mittel wie Ingwer, Grünen Tee, Granatapfel, Walnüsse oder Leinsamen. „Grundlagenstudien zeigen zwar entzündungshemmende Effekte für diese Nahrungsmittel, aber bei RA konnte die Wirksamkeit bisher nicht belegt werden", erklärt Michalsen. Nebenwirkungen bei Langzeitgebrauch wurden aber nicht geprüft. Die Studien zeigen einen milden Effekt für Borretsch- und Nachtkerzenöl und für Katzenkralle. Für eine asiatische Pflanze, die Wilfords 3-Flügelfrucht, liegen gute Daten für deren Wirksamkeit bei RA vor. Allerdings hat diese Pflanze auch erhebliche Nebenwirkungen. Auch bei anderen chinesischen Kräutern rät Michalsen zur Vorsicht. Denn oftmals ist die Qualität der Arzneipflanzen nicht gesichert. Ein früherer Skandal mit Nierenschädigungen durch chinesische Kräuter in Belgien war jedoch durch eine Verwechslung von Pflanzennamen bedingt.
Ebenso zurückhaltend bewertet Michalsen die Homöopathie aufgrund mangelnder Beweise. Nebenwirkungen seien hier aber in der Regel nicht zu befürchten. Als Folge des Placebo-Effekts kann sie im Einzelfall die Schmerzen lindern.
Einen empirisch gut gestützten Stellenwert habe die Kneipp´sche Hydrotherapie. Dabei wirken Wechselbäder, kalte und warme Güsse oder Wickel schmerzlindernd. „Patienten können Quarkwickel und Essigumschläge zur Kühlung anwenden, Bockshornklee oder Bienenwachs zur Wärmetherapie", erläutert Michalsen. Auch mit der so genannten Mind-Body-Medizin lassen sich Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Im Mittelpunkt stehen Stressreduktion, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen wie Yoga oder Tai Chi. „Allein, dass Betroffene sich selbstwirksam mit ihrem Körper beschäftigen, führt oft zu einem gesünderen Lebensstil", bekräftigt der Internist. Es liegen jedoch bislang nur Daten aus ersten kleineren randomisierten Studien vor.
Wie gut oder nicht diese und andere Verfahren, wie Ayurveda, Blutegeltherapie, Akupunktur, Bioresonanztherapien, Schüßler-Salze oder Kinesiologie bei RA, aber auch bei Arthrose, Fibromyalgie oder entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen, z.B. Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) tatsächlich wirken, wird Michalsen im Vorfeld der DGRH-Jahreskonferenz vom 2. bis 5. September 2015 in Bremen noch genauer ausführen.
Ein Online-Expertenforum zum Thema „Naturheilkunde und andere ergänzende Heilmethoden" bietet übrigens auch die Deutsche Rheuma-Liga an, um u.a. die folgenden, häufig von Patienten gestellten Fragen zu beantworten: Welche ergänzenden Behandlungsmethoden können wirklich Gelenkschmerz oder die chronische Abgeschlagenheit lindern? Wie finde ich einen geeigneten Therapeuten? Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse? Gibt es auch Behandlungsmethoden, mit denen sich Patienten schaden können? Welche Erfahrungen haben andere Betroffene gemacht? So werden vom 20. bis 27. August 2015 Ärzte und erfahrene Betroffene Rede und Antwort stehen zu Wasseranwendungen, Ernährungs- und Bewegungstherapie, Pflanzenheilmitteln, Akupunktur, Homöopathie und vielem mehr. Als Mediziner beraten Dr. Reinhard Hein, internistischer Rheumatologe und Arzt für Naturheilverfahren und Akupunktur, Dr. Artur Wölfel, Internist und Arzt für Naturheilverfahren und Homöopathie sowie ärztlicher Leiter des Krankenhauses für Naturheilweisen München. Aus Sicht der Betroffenen helfen Cornelia Baltscheit und Patricia Weiß mit ihren Erfahrungen gern weiter. Das Online-Forum ist erreichbar unter: www.rheuma-liga.de/forum
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, Deutsche Rheuma-Liga
