12.11.2012

Hepatitis-A-Impfung auch für europäische Reiseziele sinnvoll

Anlässlich des aktuellen Hepatitis-A-Ausbruchs in Niedersachsen raten Experten des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) vor Reisen nach Süd- oder Osteuropa zu einer Impfung gegen Hepatitis A.

Nach der Häufung von Erkrankungsfällen mit der infektiösen Leberentzündung Hepatitis A in Niedersachsen rät der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) zu vorbeugenden Schutzimpfungen - nicht nur für Kontaktpersonen von Erkrankten, sondern auch für Reisende nach Süd- oder Osteuropa. „Im Mittelmeerraum und auch in Osteuropa ist das Ansteckungsrisiko wesentlich höher als in Deutschland und mögliche Infektionsquellen sind nicht zu erkennen - deshalb raten wir zum vorbeugenden Impfschutz. Wenn eine Erkrankung auftritt, kann sie sich sehr schnell verbreiten. Die Mehrzahl der in Deutschland gemeldeten Erkrankungsfälle geht auf eingeschleppte Hepatitis A-Viren zurück.  Infizierte scheiden die Erreger bereits vor dem Beginn der Erkrankung mit dem Stuhl aus und schon die gemeinsame Benutzung von sanitären Anlagen kann zu einer Übertragung führen. Das Hepatitis-A-Virus ist äußerst temperaturresistent und bleibt so z.B. auch in unzureichend gegarten Nahrungsmitteln vermehrungsfähig. Nicht selten sind daher mit Hepatitis-A-Viren infizierte Meeresfrüchte Ausgangspunkt von Ansteckungsketten", warnt Prof. Thomas Löscher, Reisemediziner vom BDI. Mit inzwischen mehr als 60 Fällen handelt es sich beim Hepatitis-A-Ausbruch in Niedersachsen um eine der größten Erkrankungswellen der so genannten Reisegelbsucht, die in den vergangenen 10 Jahren beim Robert Koch-Institut (RKI) für Deutschland registriert wurden. „Bei jungen Menschen und Personen ohne Vorerkrankung der Leber verläuft eine Hepatitis A normalerweise ohne Komplikationen und heilt gut aus. Wenn die Leber allerding durch Alkohol oder chronische Leberkrankheiten bereits geschädigt ist, dann kann eine zusätzliche Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus durchaus gefährlich werden. Auch bei älteren Gelbsucht-Patienten können Komplikationen auftreten - bis hin zu einem völligen Versagen des Organs. Daher ist die Impfung insbesondere bei diesen Risikogruppen zu empfehlen", so Löscher, der auch Leiter des tropenmedizinischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist.

Impfung auch noch kurz vor der Reise möglich

Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung können bis zu 50 Tage vergehen. Typische Symptome sind Schmerzen im Oberbauch verbunden mit Übelkeit und auch Fieber. Später färben sich dann Haut und Augen gelb - der Urin wird dunkel die Stuhlfarbe hell. „Da es eine gewisse Zeit dauert, bis sich die Infektion im Körper ausbreitet, kann eine Impfung auch dann noch eine Erkrankung verhindern, wenn man sich bereits angesteckt hat. Mit so genannten Riegelimpfungen unterbricht man damit eine Ausbreitung der Gelbsucht bei Kontaktpersonen von Erkrankten. Für Reisende bietet die schnelle Wirkung der Impfung den Vorteil, dass man sich auch noch kurz vor Beginn einer Reise impfen lassen kann. Die Hepatitis-Impfung ist sehr gut verträglich. Mit einer zweiten Impfung nach 6 bis 12 Monaten erhält man eine lang anhaltende Immunität. Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten diese Impfungen. Daher lohnt es sich, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen oder sich im Internet zu informieren", rät Löscher.