20.09.2016

Hilfe bei schwer zerstörten Gelenken aufgrund von Rheuma

Bei bereits schwer zerstörten Gelenken infolge Rheuma bieten sich verschiedene Möglichkeiten eines chirurgischen Eingriffs. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hin.

Zum Glück ist bei Rheumapatienten die Anzahl stark zerstörter und deformierter Gelenke dank effektiver medikamentöser Therapien seit Jahren rückläufig. Wenn eine chronisch-entzündliche, rheumatische Erkrankung allerdings zu weit fortgeschritten ist und Gelenke nachhaltig geschädigt sind, leiden die Betroffenen unter zunehmenden Schmerzen, fühlen sich in ihrer Bewegungsfreiheit mehr und mehr eingeschränkt und kämpfen mit alltäglichen Lebenssituationen. Hier können operative Verfahren die Lebensqualität der Patienten möglicherweise erhöhen. Vvor allem in späteren Krankheitsstadien - wenn die Gelenkfunktion unwiederbringlich eingeschränkt ist - kann ein operativer Eingriff den Patienten Beweglichkeit und Mobilität zumindest teilweise zurückgeben.

Prothesenimplantationen und Gelenkversteifungen können Betroffenen helfen, den Alltag wieder schmerzfrei sowie mit verbesserter Funktion und Stabilität zu meistern. „Entscheidend für eine erfolgreiche operative Therapie ist die individuelle Abstimmung der chirurgischen Eingriffe auf den Patienten. Hierbei sind insbesondere der Schweregrad der Gelenkzerstörung und die Erwartungen an das Gelenk entscheidend", betont Prof. Dr. med. Stefan Rehart, diesjähriger Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Ebenso gelte: Je früher der Patient beim orthopädischen Rheumatologen vorstellig wird, umso besser sind die Chancen für ein gutes Gelingen der Operation - unter Umständen lässt sich ein operativer Eingriff sogar vermeiden, führt der Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt am Main weiter aus.

Für alltagstaugliche Beweglichkeit in Schulter-, Ellenbogen-, Knie- und Hüftgelenken sind Prothesen das Mittel der Wahl. Auch bei schwer geschädigten Gelenken haben sie eine günstige Prognose, vor allem wenn der Bandapparat erhalten ist. „Selbst bei einem fehlenden vorderen Kreuzband am Kniegelenk oder fehlender Muskel-Sehnen-Kappe am Schultergelenk ist eine Implantation von Prothesen möglich", erklärt Prof. Rehart. „Für das Knie eignen sich meist Oberflächenersatz-Prothesen zur Stabilisierung mit Wiederherstellung der Beinachse. An der Schulter helfen inverse Prothesen. Diese sind umgekehrt zum normalen Gelenk konstruiert und verlagern den Drehpunkt der Schulter, so dass die Funktion über einen einzigen Muskel ausreichend gewährleistet ist", erläutert der Chefarzt.

Als „ultima ratio" - also letzte therapeutische Alternative - werden oft Gelenkversteifungen, so genannte Arthrodesen, vorgenommen. Ob an Sprunggelenken oder den ganz kleinen Finger- und Zehengelenken, solche Eingriffe können für den Patienten eine erhebliche Verbesserung bedeuten. Führt eine Versteifung zu einem zu hohen Verlust der Gelenkfunktion und ist die Implantation eines künstlichen Gelenks nicht möglich, kann in Einzelfällen auch eine so genannte Resektions-Interpositions-Arthroplastik erfolgen. Häufig wird diese zum Beispiel am Daumensattelgelenk durchgeführt: Das defekte Gelenk wird entfernt und die Beweglichkeit über eine Überbrückung mit eigenen Sehnen sichergestellt.

Neue und bewährte Methoden haben das Ziel, eine möglichst große Schmerzlinderung und Bewegungsverbesserung für den Patienten zu erreichen. „Medizinisch machbar ist heute vieles - auch bei scheinbar aussichtslosen Gelenkzerstörungen", fasst Prof. Rehart zusammen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.