27.06.2007

Höheres HIV-Risiko für Menschen mit Migrationshintergrund

Im Rahmen des derzeitigen deutsch-österreichischen AIDS-Kongresses in Frankfurt sollen gezielt auch junge Migranten über HIV informiert werden. Da sie oft nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen, erreichen die meisten Aufklärungskampagnen sie nicht...

Ungefähr die Hälfte der durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragenen HIV-Infektionen bei Frauen in Deutschland betrifft Einwanderer und Migrantinnen. „Migrantinnen in Deutschland wissen häufig nichts über die Risiken rund um HIV. Da sie nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen, erreichen die Aufklärungskampagnen sie nicht.", erläutert Dr. Peter Walger vom Berufsverband Deutscher Internisten e.V (BDI). Doch nicht nur der Elterngeneration mangelt es an Informationen rund um das Thema HIV und Aids. „Sie können ihre heranwachsenden Kinder nicht über die möglichen Risiken aufklären. Da erfahrungsgemäß auch die herkömmlichen, sachlich-informativen Aufklärungskampagnen junge Menschen nicht ansprechen, besteht in dieser Generation gerade bei Migranten immer noch ein großes Informationsdefizit.", warnt der Infektiologe der Universitätsklinik in Bonn. 40% der HIV-Neuinfektionen weltweit betrafen 2006 die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen.

Aidsaufklärung für Jugendliche bei Straßenfußball-Turnier
Im Rahmen des derzeit laufenden deutsch-österreichischen AIDS-Kongresses (DÖAK) richtet sich am Samstag daher ein Straßenfußball-Turnier gezielt an junge Menschen mit Migrationshintergrund. Die Initiative „Anpfiff gegen Aids" will die internationale Sprache Fußball als Verständigungs-Plattform beim Kampf gegen HIV/AIDS als emotionale Aufklärungs- und Präventionsmaßnahme nutzen. Mit neuen Sichtweisen und Ansätzen möchte „Anpfiff gegen Aids" möglichst viele Personengruppen zielgerichtet und nachhaltig ansprechen - mit Botschaften, die keinen schulmeisterlichen Charakter haben, damit die junge Zielgruppe sie ernst nimmt.

Der Präsident des Hessischen Fußball-Verbands Rolf Hocke, der „Anpfiff gegen Aids" unterstützt, unterstreicht die Macht von "König Fußball": "Frankfurt ist eine Stadt mit einem großen Migrationshintergrund. Als Fußballer begrüßen wir das. Ohne Migranten könnten etliche Fußballvereine schließen. Fußball ist nun einmal der Sport mit den wenigsten Berührungsängsten. Er sorgt für Integration und ist der Kommunikationsträger schlechthin".

Das Fußballturnier findet am 30. Juni 2007 von 13.00 bis 17.30 Uhr vor dem Haupteingang des Congress Center der Messe in Frankfurt statt. Während der Veranstaltung findet ein interkulturelles Rahmenprogramm statt. Im Anschluss an das Turnier gibt Deutschlands ECHO-nominierte Pop-Soul-Sensation Rapsoul ein Konzert. Spektakulärste Aktion des Begleitprogramms des DÖAK ist ein Weltrekordversuch: 3000 Menschen wollen am Freitagmittag die größte menschliche Aids-Schleife formen.

Teenager in Deutschland unterschätzen HIV-Risiko
Viele Jugendliche in Deutschland wiegen sich beim Thema Aids in falscher Sicherheit. Sie meinen oftmals, Aids sei nur ein Problem der Entwicklungsländer oder Osteuropas, und verzichten auf Schutz durch Kondome. Noch immer ist unter Jugendlichen auch die falsche Annahme verbreitet, dass die Pille vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus schützt. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung benutzen nur 68% der 16- bis 20-Jährigen regelmäßig ein Kondom.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin wurden 2006 in Deutschland 2611 HIV-Neuinfektionen nachgewiesen. Zur Hauptrisikogruppe zählen hierzulande nach wie vor homosexuelle Männer mit 61% der Neuinfizierten. Beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr steckten sich 14% der Betroffenen bei Partnern an, die aus einem Land mit einer hohen HIV-Infektionsrate kamen. 17% infizierten sich bei einem Partner, der nicht aus einem Hochprävalenzland stammte. 7% der Neuinfizierten hatten sich beim Missbrauch von i.v.-Drogen infiziert, 1% der Neuinfizierten waren Kinder. 

Weitere Informationen zu HIV und Aids erhalten Sie unter hiv-info.de/.

 

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