10.04.2009

In Deutschland gekaufte Muscheln mit Fäkalkeimen verseucht

Stichproben haben ergeben, dass Muscheln auch hierzulande gefährliche Krankheitserreger enthalten können...

In Deutschland gekaufte Miesmuscheln sind offenbar häufig mit Fäkalkeimen verseucht. Bei einer Stichprobenuntersuchung in 4 Städten, die vom Magazin GourmetReise in Auftrag gegeben wurde, wurden in 3 der 4 Proben krankmachende Darmbakterien nachgewiesen, berichtet der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

Die frischen Miesmuscheln waren im Januar in Köln, Hannover, München und Wien in Supermärkten an der Fischtheke oder abgepackt in einem Kühlregal gekauft worden. Dabei war nur das Muschelfleisch aus München nicht mit Fäkalkeimen belastet. „In den Proben aus Köln, Hannover und Wien wurden deutlich über dem Grenzwert liegende Mengen an Enterokokken, Escherichia coli und Enterobakterien entdeckt - das sind Darmbakterien, die über Abwässer zunächst ins Meer und dann in die Muscheln gelangt sind", erklärte der mit der Untersuchung beauftragte Hygieneexperte Dr. Karl Hellemann aus Graz. „Sie können Erbrechen, Brechdurchfall, Darm- und Lebererkrankungen verursachen."

Die in Hannover gekauften Muscheln wurden in Holland verpackt. In Köln kam die Ware aus Spanien. „Die Belastung mit Fäkalkeimen zeigt, dass die Muscheln aus küstennahen Gewässern stammen, wo sie mit diesen fäkalen Verunreinigungen leicht und in höheren Konzentrationen in Kontakt kommen konnten ", erläutert der gerichtlich beeidete, zertifizierte Sachverständige für Hygiene und Mikrobiologie. „Auch höhere Wassertemperaturen in den Fanggründen und die Lagerung der Rohware bei unzureichender Kühlung begünstigen die weitere Vermehrung von Fäkalbakterien." Muscheln und Schalentiere reichern krankmachende Erreger aus dem sie umgebenden Wasser an. Deshalb ist die Konzentration von Keimen im Muschelfleisch oftmals viel höher als im verschmutzten Wasser.

Verzehr von Rohware vermeiden

Für Muschelliebhaber ist das ein Alarmsignal: Nicht nur in Südeuropa - wie bislang bekannt - auch in Deutschland können Muscheln mit Krankheitserregern belastet sein. Vom rohen Verzehr von Miesmuscheln z.B. mit Zitronensaft ist deshalb abzuraten. Um ein mögliches Risiko zu vermeiden, ist es generell empfehlenswert, Muscheln vor dem Verzehr gut abzukochen.  „Die Anzahl der Proben ist zwar sehr klein und hat nur eine begrenzte Aussagekraft. Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass auch hierzulande beim Verzehr von Muscheln Gesundheitsgefahren lauern können", warnt Prof. Thomas Löscher vom BDI und Leiter des Münchner Tropeninstituts. „Vor allem sollten wir berücksichtigen, dass Muscheln noch weitere Keime enthalten und übertragen könnten, z.B. Hepatitis-A-Viren. Der Erreger der Reise-Gelbsucht kann ebenfalls über die Kanalisation zu den Zuchtbänken der Miesmuscheln gelangen und das Muschelfleisch kontaminieren, was zumindest in  südeuropäischen Ländern schon vielfach nachgewiesen wurde. Bei Reisen in viele Anrainerstaaten des Mittelmeeres empfehlen wir deshalb eine Impfung gegen Hepatitis A."

Auch Dr. Hellemann warnt, dass die Ergebnisse möglicherweise nur die Spitze eines Eisberges sind. „Bei Muscheln, in denen Darmbakterien nachgewiesen werden, besteht ein erhebliches Risiko, auch mit anderen, ebenso fäkal ausgeschiedenen Erregern wie Hepatitis A-Viren in Kontakt zu kommen. Dabei führt nicht nur der Verzehr der Muscheln zu einer Infektion. Auch Menschen, die mit den Muscheln in Berührung kommen, sie also verkaufen oder zubereiten, können sich anstecken."

Erhebliches Hepatitis A-Risiko durch verseuchte Muscheln im Mittelmeerraum

In den vergangenen Jahren ist es vor allem in Mittelmeerländern immer wieder zu lokalen Heptatitis-A-Ausbrüchen in Folge von verunreinigten Meeresfrüchten gekommen. So sind im September 2008 im spanischen Valencia mehr als 40 Menschen nach dem Genuss von „Tellinas"-Muscheln aus Peru an Hepatitis-A erkrankt. Auch in Süditalien war es im Sommer 2007 zu einer Häufung von Krankheitsfällen gekommen. Mehr als 5 Tonnen Muscheln und 160 Kilogramm Fisch wurden damals aus dem Verkehr gezogen. Hepatitis-A-Viren sind äußerst stabil und vertragen Minusgrade weit unter dem Gefrierpunkt genauso wie kurzzeitige Erhitzungen bis zu 80°C. Deshalb können die Erreger beispielsweise in traditionellen Muschelgerichten vermehrungsfähig bleiben.

Die Viren werden durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel sowie durch Schmierinfektion übertragen. Infizierte Personen scheiden die Erreger mit dem Stuhl aus. Erst nach 2-6 Wo­­chen kommt es zu ersten Krankheits­symp­to­men wie Fieber, Abgeschlagenheit, Appetit­losigkeit und Übelkeit. Dies ist beson­ders tückisch, weil die Betrof­fenen bereits mehrere Tage vor Ausbruch der Symptome hoch ansteckend sind. Um sich vor der Krankheit zu schützen, sollten Urlauber und Reisende nach Süd- und Osteuropa sowie in einige nordafrikanische Länder wie Ägypten gegen Hepatitis A geschützt sein. Hierzulande empfiehlt sich die Impfung für bestimmte Personengruppen, zu denen chronisch Leberkranke, Dialyse-Patienten und medizinisches Personal, bei denen eine hohe Ansteckungsgefahr besteht, gehören.   

 

 

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