29.01.2012

Internisten warnen vor Darmspülungen zu reinen Wellness-Zwecken

Wellness-Darmspülungen können zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn sie nicht richtig angewendet werden - warnen Experten vom Berufsverband Deutscher Internisten

Darmreinigungen werden derzeit mit zunehmender Tendenz auch als Wellness-Anwendung angepriesen, wobei versucht wird, potenzielle Kunden mit Schlagworten wie Entgiftung, Entschlackung und flacher Bauch anzulocken. „Angeblich sollen Darmspülungen, die von Alternativmedizinern und manchen Hausärzten durchgeführt werden, aber auch eigenständig zu Hause angewandt werden können, das Wohlbefinden auf natürlichem Wege steigern, das Immunsystem und den Kreislauf stärken, Müdigkeit verringern, sowie Kopfschmerzen, Energieverluste und Gewichtszunahme bekämpfen", erläutert Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) und praktizierender Internist in einer Hamburger Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin. „Allerdings sind weder die Wirksamkeit noch die Verträglichkeit der auf dem Markt verfügbaren Darmreinigungssysteme zur Wellness-Anwendung wissenschaftlich belegt. Vielmehr können solche Darmspülungen einer aktuellen amerikanischen Studie zufolge auch zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn sie nicht richtig angewendet werden - wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Elektrolytstörungen und Nierenversagen. Manche endeten aufgrund von Infektionen sogar tödlich."

Nutzen nicht erwiesen, Schadensrisiko bei falscher Anwendung hoch

Abgesehen von der medizinischen Anwendung - z.B. zur Vorbereitung endoskopischer oder radiologischer Untersuchungen - ist der Nutzen von Darmreinigungen, die zu reinen Wellnesszwecken durchgeführt werden, nicht erwiesen. „Außerdem besteht bei nicht fachmännisch durchgeführter Anwendung das Risiko unerwünschter, schwerer Nebenwirkungen. Dieses ist in besonderem Maße erhöht bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Divertikulitis), ausgeprägten Hämorrhoiden, Nieren- oder Herzerkrankungen und nach Darmoperationen", warnt Wesiack. „Man kann sein Wohlbefinden im Übrigen ja auch dadurch verbessern, dass man auf eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf achtet."