27.04.2011

Körpereigener Entzündungshemmer entdeckt

Forscher haben ein Protein entdeckt, das Entzündungen verhindert, die durch den Botenstoff TNF ausgelöst werden und zu Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoider Arthritis führen.

Der Tumornekrosefaktor (TNF) fungiert als Botenstoff des Immunsystems und schürte schon kurz nach seiner Entdeckung große Hoffnungen, eine breite Anwendung in der Krebstherapie zu finden. Mittlerweile weiß man jedoch, dass TNF sich tatsächlich nur selten gegen Tumore richtet und dort auch nicht die Krebszellen selbst abtötet, sondern die Blutgefäßzellen, die den Tumor versorgen.

Grundsätzlich ist TNF für Entzündungen in einer Vielzahl von Geweben verantwortlich. Chronische TNF-bedingte Entzündungen können sogar fördern, dass Krebs sich ausbreitet. Der Botenstoff weckt die Wanderbereitschaft der Tumorzellen und erhöht so die Fähigkeit zur Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) bei bestimmter Krebsarten. Andererseits kommt TNF auch bei schweren Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Morbus Crohn eine zentrale Rolle zu. Wirkstoffe, die TNF hemmen, lindern erfolgreich die Symptome dieser Krankheiten.

Nun haben Wissenschaftler um Prof. Dr. Henning Walczak vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Melbourne (Australien) und Italien untersucht, wie TNF Entzündungsreaktionen auslöst und wie diese verhindert werden können. In Tierversuchen mit Mäusen stellten sie fest, dass ein Protein namens Sharpin die Entstehung TNF-bedingter Entzündungen verhindert (siehe Nature 2011, Band 471, Seite 591-596). Mäusen, denen aufgrund einer natürlich vorkommenden Erbgutveränderung Sharpin fehlt, leiden an schweren Entzündungen der Haut und der inneren Organe. Schalteten die Forscher in diesen Tieren zusätzlich TNF aus, so traten keinerlei Entzündungssymptome mehr auf. Damit zeigten die Forscher, dass TNF in Abwesenheit von Sharpin für die Entzündungen verantwortlich ist. Sharpin unterdrückt also unter natürlichen Bedingungen die entzündungsfördernde Wirkung von TNF. Mit weiteren Experimenten zeigten die Forscher, dass Sharpin dies erreicht, indem es TNF daran hindert, den entzündungsfördernden Zelltod auszulösen.

„Chronisch entzündliche Autoimmunerkrankungen sind weit verbreitet. Viele darunter bedeuten für die Betroffenen enormes Leiden und sind heute oft nur unzureichend zu behandeln. Je besser wir die Signalwege verstehen, die solche Entzündungsprozesse auslösen, desto gezielter können wir mit Medikamenten eingreifen. Die Entdeckung, dass Sharpin den Ausbruch TNF-bedingter Entzündungen verhindert, kann der Therapieentwicklung neue Wege weisen", erläutert Henning Walczak.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)