27.07.2009
Lange Wege zum Spezialisten
Nieren-, Krebs- oder Hormon-Patienten finden oft keinen Facharzt in ihrer Nähe...
In deutschen Krankenhäusern ist die Innere Medizin die mit Abstand größte Fachrichtung. Dennoch sind nicht alle internistischen Schwerpunkte flächendeckend vorhanden. Patienten mit speziellen Erkrankungen müssen in einigen Regionen lange Wege auf sich nehmen. Dies ergibt eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
Die in ihrer Art bisher einzigartige Studie deutet auf Mängel im Versorgungsangebot hin (Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009, Band 134: Seite 213). „Sie betreffen vor allem die regionale Verbreitung der internistischen Schwerpunkte", so Lehnert. Diese betreuen heute fast 40% aller Patienten mit inneren Erkrankungen. Spezialisten für Hormonstörungen, Nierenleiden oder für Blut- und Krebserkrankungen finden sich vielerorts nur an Universitäten und akademischen Lehrkrankenhäusern. Das bedeutet für die betroffenen Patienten lange Anfahrtswege und Wartezeiten. Nur 3 Bundesländer - Bremen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland - führen hier eine Bedarfsplanung durch. Die DGIM macht darin erheblichen Nachholbedarf aus: „Wenn beispielsweise Kliniken miteinander kooperierten, ließen sich auch Patienten mit weniger häufigen Erkrankungen angemessen versorgen", sagt Prof. Hendrik Lehnert von der DGIM.
In vieler Hinsicht ist die internistische Versorgung in Deutschland auf den ersten Blick gut: In 1460 von 2166 Akut-Krankenhäusern gibt es Abteilungen für Innere Medizin. Häufig sind es die größten Stationen: Hier befinden sich annähernd 33% aller Betten. Gut ein Fünftel aller Fachärzte im Krankenhaus sind Internisten. Sie behandeln 38% aller Klinikpatienten. Die Internisten sind gut ausgelastet. „Jeder Internist betreut etwa 1,8-mal mehr Patienten als die Ärzte der anderen Fachgebiete", erläutert Professor Lehnert. Auch die Liegezeit - ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor - ist mit durchschnittlich 7,9 Tagen niedriger als der Gesamtdurchschnitt aller Fachrichtungen von 8,7 Tagen. Die internistischen Schwerpunkte weisen hierbei Unterschiede auf. Diese reichen von 5,6 Tagen bei den Herzpatienten in der Kardiologie bis zu 17,0 Tagen in der Geriatrie, die sich um Erkrankungen alter Menschen kümmert.
