22.07.2012
Leichtes Ausdauertraining effektiver als Medikamente bei Fibromyalgie
Zur Linderung der Beschwerden bei Fibromyalgie sind regelmäßig durchgeführte, leichte körperliche Aktivitäten effektiver als Schmerzmittel. Darauf weisen die Rheumatologen vom BDRh hin.
Leichtes Ausdauertraining ist für Patienten, die unter Fibromyalgie (einer chronischen Schmerzerkrankung des Bewegungsapparates) leiden, zur Linderung ihrer Beschwerden besonders ratsam. „Ein individuell angepasstes Ausdauer- und leichtes Krafttraining - zum Beispiel in Form von schnellem Spazierengehen, Walking oder Radfahren, zwei- bis dreimal in der Woche für jeweils eine halbe Stunde – wird in der neu überarbeiteten Leitlinie Fibromyalgie-Syndrom ausdrücklich empfohlen“, erläutert Dr.med. Ludwig Kalthoff, Vorstandsmitglied des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie in Herne. „Optimal ist auch, sportliche Aktivitäten mit meditativen Bewegungstherapien wie Tai Chi oder Yoga, oder mit Entspannungs- und Psychotherapie-Verfahren zu kombinieren. Denn solche Formen einer multimodalen Therapie zeigen die besten Ergebnisse. Die Kombination aus bewusster Bewegung und Entspannung tut vielen Patienten offenbar gut und wird daher in der neuen Leitlinie ebenfalls empfohlen. Demgegenüber ist eine medikamentöse Therapie nur bei schweren Verläufen einer Fibromyalgie - und dann zeitlich befristet - angezeigt. Starke opioidhaltige Schmerzmittel werden zur Behandlung des Fibromyalgie-Syndroms gar nicht empfohlen, da sie nur selten langfristigen Nutzen und oft zusätzliche, unerwünschte Nebenwirkungen haben.“
Vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren betroffen
Vom bislang unheilbaren Fibromyalgie-Syndrom sind in den Industrienationen rund vier Prozent der Bevölkerung betroffen, insbesondere Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Zum Beschwerdebild gehören anhaltende Schmerzen in Nacken, Rücken, Brust, Bauch oder Gelenken, und - je nach Schwere der Erkrankung - mitunter auch Schlafstörungen, Fatigue (Erschöpfung), Reizmagen und –darm sowie psychische Beschwerden wie Depressionen oder Ängste.
Neue Leitlinie soll Betroffenen unwirksame Therapien und Nebenwirkungen ersparen
Bisher gab es zu vielen Behandlungsansätzen für das Fibromyalgie-Syndrom noch keine belastbaren Studienergebnisse, daher konnten auch keine klaren Therapie-Empfehlungen ausgesprochen werden. „Jetzt haben Wissenschaftler und Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg und aus ganz Deutschland (d.h. Vertreter aus neun medizinischen Fachgesellschaften und zwei Patientenorganisationen, sowie 50 Ärzte und Wissenschaftler) sämtliche verfügbaren Therapiestudien, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, ausgewertet und daraus ihre Behandlungsempfehlungen abgeleitet“, erklärt Kalthoff. Diese überarbeitete Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) bezieht neue medizinische Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien sowie Erfahrungen von Experten und Patienten mit ein und ist aktuell in deutscher und englischer Version veröffentlicht worden. Sie soll Ärzte darin unterstützen, wirksame Therapien auszuwählen, und Patienten Behandlungen ohne Aussicht auf Erfolg bzw. Nebenwirkungen ersparen. Für die betroffenen Patienten wurde außerdem eine allgemein verständliche Version – die so genannte Patienten-Leitlinie - formuliert.
