10.05.2011
Lindern zuerst den Schmerz, dann die Gelenkentzündung
Wieso und auf welchem Weg TNF-Blocker die Krankheitsaktivität bei Rheumatoider Arthritis so besonders eindämmen können, haben Forscher aus Erlangen jetzt herausgefunden.
Rötung, Schwellung, Erhitzung und Schmerz - das sind die vier hauptsächlichen Anzeichen einer Entzündung, wie sie bereits im ersten Jahrhundert nach Christus vom Römischen Arzt Cornelius Celsius definiert wurden. Heutzutage weiß man, dass diese physiologischen Reaktionen auf molekularer Basis durch so genannte Cytokine (wie TNF-alpha) und weitere Entzündungsfaktoren des angeborenen Immunsystems vermittelt werden. Dieses Wissen ermöglichte auch die Entwicklung von hochselektiven, entzündungshemmenden Medikamenten wie den TNF-Blockern, die insbesondere die Therapie von Rheumatoider Arthritis (RA) wie auch anderen entzündlichen Erkrankungen bzw. Autoimmunkrankheiten revolutioniert haben.
TNF-Blocker sind dafür bekannt, dass sie die Krankheitsaktivität bei RA besonders schnell einzudämmen vermögen. Jetzt haben Forscher um Dr. Georg Schett aus Erlangen mithilfe einer speziellen Aufnahmetechnik für die funktionelle Magnetresonanztomografie (FMRI) festgestellt (siehe PNAS 2011, Band 108, Seite 3731-3736), dass diese schnell einsetzende Wirkung der TNF-Blocker nicht primär auf einer Verringerung der Gelenksentzündung beruht. Vielmehr wirken sich die Medikamente zuallererst auf Schmerz verarbeitende Gebiete im Gehirn (Thalamus, somatosensorischer Kortex, limbisches System) aus, was zu einer besonders raschen Senkung der Schmerzempfindlichkeit führt. Bereits dadurch wird der Krankheitszustand der Patienten deutlich verbessert, wie die Forscher sowohl im Tierversuch mit Mäusen als auch beim Menschen beobachtet haben. Erst nachfolgend komme es zu einer Eindämmung der Gelenkentzündung.
Im Hinblick darauf, dass Gelenkentzündungen chronische Prozesse sind mit strukturellen Veränderungen, die sich nicht schlagartig ausschalten lassen, waren die Forscher davon ausgegangen, dass die rasche Wirkung der TNF-Blocker zunächst über das zentrale Nervensystem vermittelt werden muss und erst später die Gelenkentzündung beeinflusst. Und das konnten sie nun auch experimentell belegen: Während sich in der fMRI bereits eine deutliche Schmerzlinderung nachweisen ließ, zeigten sich Entzündungsmarker - wie Gelenkschwellung oder bestimmte Eiweißstoffe (z.B. Akute-Phase-Proteine) - so früh nach einer Anti-TNF-Therapie noch nicht beeinflusst.
