29.07.2009

Manche Darmtumore können Hormone produzieren

Noch sind neuroendokrine Tumore zwar selten, sie könnten aber wegen der häufigeren Darmspiegelungen im Frühstadium entdeckt werden...

In seltenen Fällen können Krebsgeschwülste Hormone produzieren. Im Enddarm werden diese neuroendokrinen Tumore immer häufiger diagnostiziert - dank der Früherkennung mittels Darmspiegelung aber zunehmend in einem Stadium, in dem eine Heilung möglich ist, berichten Experten in der Zeitschrift für Gastroenterologie (Zeitschrift für Gastroenterologie 2009, Band 47: Seite 365).
Neuroendokrine Tumore gehörten früher zu den Krebsleiden, die Ärzte nur aus dem Fachbuch kannten. An ihnen ließ sich gut aufzeigen, welche Folgen die plötzliche Ausschwemmung von Hormonen auf den Körper haben kann. Dazu gehört beispielsweise ein knallroter Kopf, im Ärztejargon Flush genannt, infolge der Freisetzung von Serotonin, einem häufig von neuroendokrinen Tumoren produzierten Hormon, aus Absiedelungen dieser Tumore in der Leber.

Das Krebsleiden kann im gesamten Darmbereich auftreten, auch im Enddarm, wo sie heute meistens bei einer Darmspiegelung zufällig entdeckt werden. Die Hormonproduktion ist dann noch gering. Jeder 2. Patient hat keine Symptome. Wie selten der Tumor ist, zeigen die Erfahrungen aus Polen: Auf 50.000 Darmspiegelungen kamen lediglich 25 neuroendokrine Tumore. Gleichwohl hat sich die Häufigkeit des Tumors in den USA in den letzten 35 Jahren verzehnfacht. Mediziner gehen davon aus, dass die Tumore infolge der gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennung auch in Deutschland künftig häufiger diagnostiziert werden.

Neuroendokrine Tumore können Tochtergeschwulste bilden und tödlich enden. Sie wachsen allerdings sehr langsam, weshalb sie früher auch als Karzinoid, als krebsähnliche Geschwulst, bezeichnet wurden. Wenn der Tumor bei einer Darmspiegelung entdeckt wird, sind die Heilungschancen nach Einschätzung der Autoren gut: Wenn der Tumor kleiner als ein Zentimeter groß ist und weder die Muskelschicht des Darms noch die Lymphknoten erreicht hat, beträgt die Fünf-Jahresüberlebensrate fast 100%. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Tochtergeschwülste wegen ihres langsamen Wachstums oft erst nach vielen Jahren bemerkt werden.

Kleine Tumore können oft bereits bei der Darmspiegelung entfernt werden. Fachleute raten aber, zunächst die Tiefenausdehnung mittels Ultraschall zu prüfen, was an vielen Kliniken während der Darmspiegelung mit speziellen Endoskopen möglich ist. Die Abtragung sollte mit einer in Japan entwickelten Technik erfolgen, bei der die umgebende Schleimhaut in einem Stück entfernt wird. Größere Geschwülste erfordern wie ein herkömmlicher Enddarmkrebs eine ausgedehnte Operation. Ob der Krebs besiegt wurde, können Ärzte mit Sicherheit erst nach 10 bis 15 Jahren sagen.