11.09.2008
Mehr Fuchsbandwurm-Infektionen in Deutschland
Einer aktuellen Studie zufolge erkranken in Deutschland 3-mal mehr Menschen als offiziell gemeldet...
Die Zahl der Fuchsbandwurm-Infektionen in Deutschland ist 3-mal so hoch wie die Anzahl der tatsächlich gemeldeten Fälle. Laut einer Untersuchung von Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Europäischen Echinokokkose-Registers (ERR) in Ulm werden die meisten Infektionen nicht erfasst, obwohl für die Erkrankung seit 2001 eine Meldepflicht für mikrobiologische Laboratorien besteht. Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) fordert deshalb auch Ärzte und Kliniken auf, jeden Patienten mit Fuchsbandwurm-Befall an die beiden zuständigen Einrichtungen zu melden.
In ihrer Analyse verglichen die Wissenschaftler die Anzahl der beim RKI und dem EER registrierten Fälle mit dem Ergebnis einer Umfrage unter über 500 Speziallaboren in Deutschland. Diese sollten darin Angaben über die diagnostizierten Fuchsbandwurm-Fälle zwischen 2003 und 2005 machen. Demnach wurden dem RKI in diesem Zeitraum 60 Patienten gemeldet, dem EER 59. Eine anschließende mathematische Hochrechnung ergab jedoch, dass das nationale Überwachungssystem lediglich 30% der Fuchsbandwurm-Infektionen in Deutschland erfasst hat.
„Für dieses schlechte Ergebnis kann es verschiedene Gründe geben: Wahrscheinlich ist sich nicht jeder Labormediziner über die Meldepflicht bewusst. Darüber hinaus basieren fast alle Meldungen auf Blutuntersuchungen, anders diagnostizierte Fälle, wie etwa bei Operationen oder durch pathologische Untersuchungen, werden dagegen kaum registriert. Außerdem ist die Meldeprozedur aufwändig und langwierig", erklärt Prof. Thomas Löscher vom BDI. Um die Quote der erfassten Fuchsbandwurm-Fälle in Deutschland zu verbessern, müssten sie nicht nur von den Laboratorien gemeldet werden, sondern auch von den Ärzten, die die Diagnose gestellt haben.
Viele Füchse in Deutschland sind infiziert
Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit im Darm von Füchsen, seltener auch von Mardern und Hunden oder Katzen, vor allem wenn diese häufiger Mäuse fressen. Werden die mit dem Kot dieser Tiere ausgeschiedenen Eier durch direkten Kontakt mit Ausscheidungen oder über verunreinigte Nahrungsmittel verschluckt, wandert der Parasit in die Leber ein und kann dort schwere Schäden auslösen, die unbehandelt häufig zum Tode führen. „Die Erkrankung ist zwar relativ selten, wie auch die neue Studie wieder zeigt - ein Großteil der Füchse in Deutschland ist jedoch mit dem Fuchsbandwurm infiziert. Da die Zahl der Füchse in Deutschland steigt und diese immer häufiger inmitten von Siedlungen und Städten leben, wächst die Infektionsgefahr ", warnt Prof. Löscher. Genauere Meldezahlen seien wichtig, um zu erkennen, ob die Erkrankung zunimmt. Da zudem Hunde- und Katzen die Erreger verbreiten können, können sich Menschen möglicherweise auch auf diesem Wege anstecken.
Hygiene schützt vor Übertragung
Der Infektionsmediziner empfiehlt daher:„Essen Sie nie ungewaschenes Gemüse, Kräuter oder Beeren aus dem Garten oder Wald ohne es vorher gründlich zu waschen. Bodennahe Waldbeeren sollten am besten nur abgekocht, z.B. als Marmelade, gegessen werden. Hunde- und Katzenbesitzer sollten ihre Tiere regelmäßig entwurmen lassen."
