30.01.2011
Meningokokken-Erregerstämme variieren weltweit
Das Infektionsrisiko von Meningokokken - den Erregern von Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen - ist schlecht vorhersagbar. Daher schützt am besten eine Impfung.
Hauptkennzeichen der Ausbrüche von Meningokokken-Erkrankungen, wie Hirnhautentzündung und Blutvergiftung, ist ihre Unvorhersagbarkeit, da es einen zunehmenden Wechsel zwischen den Erregerstämmen gibt. So lautet das Fazit deutscher und arabischer Forscher in ihrer Arbeit zur globalen Verbreitung von schweren Erkrankungen durch Meningokokken. „Es gibt 13 Meningokokken-Serogruppen, die weltweit in verschiedenen Regionen unterschiedlich verbreitet und auch unterschiedlich gefährlich sind. Von Bedeutung sind vor allem die Serogruppen A, B, C, W135 und Y. Mit der zunehmenden Mobilität der Menschen vermehren sich nun auch gefährliche Meningokokken-Serogruppen über Kontinente hinweg, so dass ein zunehmender Wechsel unter den vorherrschenden Erregern herrscht. Afrika gilt bislang als besonderes Risikogebiet für Ausbrüche von Infektionen mit den Serogruppen A und C. Doch inzwischen gibt es auch W135-Ausbrüche in Saudi-Arabien und Westafrika. Bei Mekka-Pilgern (Hadsch) löste die Serogruppe W135 die Gruppe A als Haupterreger ab. In Europa dominieren die Serogruppen B und C, aber auch andere Serogruppen wie Y, W135 und A gewinnen an Bedeutung“, erklärt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
Bekannt ist, dass Aufenthalte im so genannten Meningitis-Gürtel (von Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten) ein besonderes Risiko für Meningitisinfektionen darstellen. Dieser Gürtel hat sich in den letzen Jahren weiter ausgedehnt mit Epidemien in Burundi, Ruanda, Tansania und Nigeria. Während der Trockenperioden muss Afrika südlich der Sahara insofern auch außerhalb des Meningitisgürtels als gefährdet angesehen werden.
Impfen bietet den sichersten Schutz
Meningokokken verbreiten sich über Tröpfcheninfektion. Das Ansteckungsrisiko ist besonders groß, wenn viele Personen eng zusammenkommen, bei trockener Luft, geschwächter Gesundheit oder für Raucher. „Menschenansammlungen und andere Risikofaktoren zu vermeiden, ist nicht immer möglich, deshalb bietet eine Impfung den besten Schutz“, so Prof. Löscher. Weltweit treten jährlich etwa eine halbe Million invasive Meningokokken-Erkrankungen auf, davon enden etwa 50.000 Fälle tödlich.
In Deutschland kommen zurzeit fast ausschließlich die Serogruppen C und B vor. Für alle Kinder empfiehlt die Ständige Impfkommission deshalb seit Juli 2006 eine Impfung gegen Meningokokken C ab dem vollendeten 12. Lebensmonat. Ein Impfstoff gegen Meningokokken B wurde bereits zur Zulassung in Europa eingereicht und könnte in absehbarer Zeit auch in Deutschland zur Verfügung stehen. Dieser Impfschutz ist aktuell vor allem in den Ländern Europas, Lateinamerikas und Nordamerikas besonders wichtig. Für Reisende in Risiko-Länder und Hadschpilger empfiehlt die STIKO seit Neuestem, wenn sie älter als 11 Jahre alt sind, einen neuen 4-valenten Meningokokken-Impfstoff, der gegen die Gruppen A, C, W135 und Y schützt.
