24.08.2010
Müdigkeit bei rheumatoider Arthritis sehr häufig
Die meisten Patienten mit rheumatoider Arthritis leiden unter Müdigkeit (Fatigue), selbst wenn ihre Erkrankung gut behandelt und die Entzündung unter Kontrolle ist.
Das Symptom Müdigkeit (Fatigue) ist unter Patienten mit rheumatischen Erkrankungen stark verbreitet. In einer Untersuchung mit 1.488 Rheumatikern waren zwischen 88 und 98 Prozent der Studienteilnehmer davon betroffen. 41 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Osteoarthritis und 76 Prozent der Fibromyalgie-Patienten beschrieben dabei ein klinisch bedeutsames Level.
Das gleichzeitige Auftreten von Schlafstörungen, Schmerzen und Entzündungen ist schon sehr lange bekannt. Ihr grundlegender Zusammenhang wurde aber bisher wenig untersucht. An gesunden Probanden konnte gezeigt werden, dass eine unzureichende Schlafmenge Schmerzen fördern und verstärken kann, was mit einer Erhöhung des Interleukin-6-Levels einhergeht. Offenbar werden aufgrund des mangelnden Schlafes zelluläre Signale aktiviert, durch die wiederum entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) gebildet werden. An diesen Prozessen sind Interleukin-6 (IL-6) sowie der Tumornekrosefaktor alpha (TNFα) vermutlich als Schlüsselmediatoren beteiligt. So sind nach einer schlaflosen Nacht IL-6 und TNFα deutlich erhöht und beeinflussen das Immunsystem. Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass das verstärkte Auftreten spontaner Schmerzen nach Schlafdefiziten, zum Beispiel Kopf- oder Muskelschmerzen, mit der Erhöhung von Prostaglandinmediatoren (PG), insbesondere PGE2, einhergeht.
Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine systemische, chronisch-entzündliche Erkrankung, die etwa 350.000 bis 550.000 Erwachsene in Deutschland betrifft. Primär sind Gelenke beeinträchtigt, aber auch innere Organe können beeinflusst werden. Neben einer typischen Morgensteifigkeit und Gelenkschmerzen geben die Patienten sehr häufig Müdigkeit als Symptom an, welches das allgemeine physische Befinden und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. In den letzten Jahren wird daher zunehmend die Fatigue-Symptomatik als neues Kriterium zur Untersuchung in wissenschaftlichen Studien - beispielsweise über die Wirksamkeit von Medikamenten - herangezogen. Interessanterweise zeigte eine Analyse der klinischen Veränderungen über sechs Monate bei 21.016 RA-Patienten, dass die Fatigue-Symptomatik unabhängig vom erreichten Gesundheitszustand ist. Im Gegensatz dazu ließen die Symptome Schmerz und Funktionsverlust mit dem erreichten Gesundheitszustand nach.
Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass die Müdigkeit bei RA-Patienten anhält, auch wenn die Erkrankung gut behandelt ist. Sollte die Müdigkeit also nicht von der Krankheitsaktivität abhängig sein, so nehmen scheinbar andere Faktoren Einfluss auf dieses Symptom bei RA-Betroffenen. Eine Klärung der grundlegenden Ursachen für Schlafstörungen und damit verbundener Müdigkeit könnte zukünftig neue therapeutische Herangehensweisen ermöglichen und helfen, das multifaktoriell bedingte Krankheitsbild der RA besser zu verstehen.
Quelle: Ticker Rheumatologie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
