12.08.2015

Neue Methoden zur Früherkennung von Arthrose

Neue Untersuchungsmethoden in der Rheumatologie helfen, den Verlust des Knorpels infolge von  Arthrose früher als durch Röntgen zu erkennen und somit ein Fortschreiten womöglich zu verhindern.

Die Gelenkerkrankung Arthrose kann grundsätzlich an allen Gelenken auftreten, zeigt sich aber vermehrt an Knie-, Hüft- und Schultergelenken sowie den Finger- und Wirbelgelenken. Rund sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Kniegelenksarthrose und vier Millionen an einer Polyarthrose in den Händen. Häufig wird Arthrose allerdings erst bis zu zehn Jahre später erkannt, wenn der Verschleiß der Gelenke bereits fortgeschritten ist. Denn der Knorpelabbau verursacht zunächst keine Schmerzen und eine Diagnose im Anfangsstadion ist derzeit noch nicht möglich. Zwei noch junge bildgebende Verfahren versprechen jetzt, Knorpelschäden bereits in einer frühen Phase - der Präarthrose - zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt können Rheumatologen die Entstehung dieser Gelenkerkrankung noch aufhalten.

Kommen Patienten mit Knie-, Rücken- oder Gelenkschmerzen zum Orthopäden, stellt dieser eine bestehende Arthrose meist nur anhand einer Röntgenaufnahme fest. Das Röntgenbild weist in diesem Fall einen kleineren Gelenkspalt zwischen zwei Knochen auf als üblich. „Die Knorpelschicht ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgebaut und kann nicht wieder hergestellt werden", so Dr. med. Ingo Arnold, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und operative Rheumatologie im Rotes Kreuz Krankenhaus, Bremen. Für eine präventive Therapie sei es daher zum Zeitpunkt der Diagnose schon zu spät. „Dabei kündigt sich die Arthrose zumindest auf molekularer Ebene in Form einer abnormalen Knorpelzellorganisation bereits sehr viel früher an, noch bevor der Patient aufgrund von Schmerzen zum Arzt geht", betont Dr. Arnold. Diese beschädigten Areale, die in einer Röntgenaufnahme als gesund eingestuft werden, kann die Nah-Infrarot-Spektroskopie (Near Infra Red/NIR) als Präarthrose entlarven. „Zu diesem frühen Zeitpunkt können wir noch verhindern, dass es überhaupt zu einem Gelenkverschleiß kommt", so Dr. Arnold.

Eine weitere vielversprechende Methode, ist eine spezielle Form der Magnetresonanztomografie (MRT), mit der Rheumatologen die biochemische Zusammensetzung des Knorpels untersuchen. „Denn der Knorpel zeigt in der frühen Arthrose-Phase typische Veränderungen, die den Abbau ankündigen", erklärt Dr. Arnold. Es kommt unter anderem zum Verlust von so genannten Glykosaminoglykanen (GAG), die als Biomarker dienen. Seit mehreren Jahren steht eine MRT-Technik zur Verfügung, die anhand des GAG-Gehalts eine Präarthrose erkennt: dGEMRIC (Abkürzung aus dem Englischen: delayed gadolinium-enhanced MRI of cartilage). Derzeit ist die dGEMRIC-Technik noch sehr teuer und wird noch nicht im Routinebetrieb angewendet. „Wir gehen aber davon aus, dass diese neuen Verfahren den Patienten schon in zwei bis drei Jahren zur Verfügung stehen könnten", schätzt Arnold.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie