19.12.2012

Neue Risikogene für Herzinfarkt gefunden

Das Herzinfarktrisiko ist viel stärker genetisch verwurzelt, als bislang angenommen. Das wird nach der Entdeckung neuer, Risiko erhöhender Genorte und Chromosomenabschnitte deutlich.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Arterienverkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben traditionellen Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Rauchen spielt auch die vererbte Veranlagung eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung. In den letzten Jahren ist es zwar gelungen, etliche Risikogene zu identifizieren, trotzdem sind die genetischen Ursachen des Herzinfarkts bislang nicht hinreichend aufgeklärt. Gemeinsam mit mehr als 180 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt konnten nun Forscher des Deutschen Herzzentrums München (DHM), Klinik an der Technischen Universität München, und der Universität zu Lübeck 15 neue Risikogene für die koronare Herzkrankheit (KHK) und den Herzinfarkt nachweisen. Damit sind nun 46 Risikogene bekannt. Zusätzlich konnten weitere 104 Gene identifiziert werden, die sehr wahrscheinlich das Krankheitsrisiko erhöhen. Die Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse im Wissenschaftsjournal Nature Genetics (Online-Vorabveröffentlichung am 2.12.2012).

Das globale Konsortium CARDIoGRAMplusC4D hat für diese weltweit größte genetische Studie 60.000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit und 130.000 gesunde Personen untersucht, um Regionen im menschlichen Genom aufzuspüren, die mit einem erhöhten Risiko für die koronare Herzerkrankung vergesellschaftet sind. Durch die gleichzeitige Analyse von mehr als zwei Millionen über das gesamte Genom verteilten Genvarianten (sog. SNPs) wurde die Identifikation von neuen, bislang unbekannten Risikogenen möglich. An der Studie beteiligten sich Forscher aus Europa (Deutschland, Großbritannien, Island, Schweden, Finnland, Frankreich, Italien, Griechenland), Libanon, Pakistan, Korea, USA, Kanada und China.

Die Ergebnisse erklärt Prof. Dr. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München: „Trotz der Bedeutung der bekannten Risikofaktoren trifft der Herzinfarkt viele Menschen völlig unerwartet. Die Arbeiten legen den Grundstein für die System-medizinische Aufklärung der Krankheitsentstehung. So können neue Ansätze zur Prävention entwickelt werden." Und Prof. Dr. Jeanette Erdmann (Institut für Integrative und Experimentelle Genomik der Universität zu Lübeck) ergänzt: „Die Erkenntnisse führen nun zu funktionellen Analysen der identifizierten Risikogene im Labor. Hierdurch erhoffen wir uns dann mittelfristig neue therapeutische Ansätze zum Wohle der Patienten." Beide Wissenschaftler sind Mitglieder des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

Quelle: Technische Universität München