11.08.2008

Neuer Bluttest erkennt Darmkrebs

Erste Studien lassen hoffen, dass sich Darmtumoren in Zukunft auch im Blut nachweisen lassen...

 Bild: Tumor im Dickdarm.Ein neuer Bluttest scheint Tumoren des Dick- und Enddarms schon im Frühstadium nachweisen zu können. Das zeigt eine Studie, die Forscher des Universitätsklinikums Bonn und der US-amerikanischen John-Hopkins-Universität veröffentlicht haben (Journal of Cellular Biochemistry 2008, 104: Seite 286). Der Test schlägt Alarm, wenn ein bestimmtes Protein im Blut der Patienten gehäuft vorkommt: Bei 27 Patienten mit Dickdarmkrebs lieferte er in 24 Fällen die korrekte Diagnose; das entspricht einer Empfindlichkeit von 89%.

Allerdings kann dieser Wert in seltenen Fällen auch bei Gesunden erhöht sein: Bei 127 Studienteilnehmern ohne Tumoren schlug der Test 21-mal fälschlicherweise an - die Spezifität betrug also gut 84%. Die Mediziner hoffen nun, durch gleichzeitige Auswertung weiterer Marker sowohl die Empfindlichkeit als auch die Zuverlässigkeit des Tests steigern zu können. Der jetzige Test richtet sich gegen ein Protein, das im Blut von Darmkrebs-Patienten gehäuft vorkommt: Das so genannte Dickdarmkrebs-spezifische Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2). Daneben gibt es noch 3 weitere CCSAs, die ebenfalls gehäuft im Blut von Darmkrebs-Patienten vorkommen. Ein Nachweisverfahren, das alle 4 Proteine erfasst, könnte sowohl hoch empfindlich als auch sehr spezifisch sein. Dafür sind aber nach Angaben der Wissenschaftler noch weitere Studien mit viel mehr Patienten nötig.

Test könnte Darmspiegelung ergänzen

Bis dahin bleibt jedoch die Darmspiegelung die Methode der Wahl zur Frühdiagnose von Tumoren. Bei dieser auch Koloskopie genannten Methode wird ein schlauchförmiges Endoskop durch den After in den Dickdarm geschoben. An seinem Ende sitzt eine Kamera, durch die der Arzt die Darmwand inspizieren kann. Im Verdachtsfall kann er zudem über eine kleine Zange direkt Gewebeproben entnehmen. Einem geschulten Arzt entgeht so kaum ein Tumor, die Zahl der Fehldiagnosen ist zudem extrem gering.

Darmkrebs ist weltweit die 3.-häufigste Tumorerkrankung. Allein in Deutschland fordert die Krankheit Jahr für Jahr 30.000 Opfer. Mehr als die Hälfte von ihnen ließe sich nach Schätzungen durch eine rechtzeitige Diagnose retten. Allein in Deutschland fordert Darmkrebs jährlich 30.000 Opfer. Ein leicht durchzuführender Test könnte dazu beitragen, die Opferzahlen zu senken. Denn nach wie scheint die Hemmschwelle für eine Darmspiegelung für viele Menschen zu hoch zu sein. Deshalb werden Darmtumoren häufig zu spät entdeckt. Ziel ist deshalb eine einfache und kostengünstige Screening-Methode, die sich in Vorsorge-Untersuchungen flächendeckend einsetzen lässt. Im Verdachtsfall würde sich dann eine Spiegelung anschließen.