21.10.2015

Neuer Therapieansatz gegen Knochenzerstörung bei Rheumatoider Arthritis?

Ein körpereigener Eiweißstoff namens Myostatin fördert die Bildung von knochenabbauenden Zellen (so genannten Osteoklasten) und trägt so maßgeblich zur irreversiblen Gelenkzerstörung bei.

Ein körpereigenes Protein liefert einen möglichen neuen Ansatz zur Rheumatherapie: Wissenschaftler aus Münster und Wien haben herausgefunden, dass Myostatin maßgeblich an der Knochenzerstörung bei rheumatoider Arthritis beteiligt ist (siehe Nature Medicine, Online-Veröffentlichung am 3.8.2015).

Myostatin war bislang vor allem als Regulator des Muskelwachstums und der Muskelregeneration bekannt. Ein Team um den Molekularbiologen Dr. Berno Dankbar vom Institut für Experimentelle Muskuloskelettale Medizin (IEMM) an der Universität Münster und von der Medizinischen Universität Wien entdeckten eine bislang unbekannte Schattenseite des Proteins: Indem Myostatin die Bildung von knochenabbauenden Zellen - sogenannten Osteoklasten - fördert, trägt es maßgeblich zur irreversiblen Gelenkzerstörung bei. 

Die Wissenschaftler untersuchten die Rolle des Proteins in verschiedenen Mausmodellen der rheumatoiden Arthritis. Dabei zeigte sich: Der Myostatin-Spiegel im Körper steigt im Krankheitsverlauf an. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass Myostatin die Osteoklastenbildung direkt fördert und damit zu einer erhöhten Gelenkzerstörung führt.

Wenn Myostatin bei Mäusen nicht gebildet oder künstlich blockiert wird, verringert sich dementsprechend das Ausmaß der Gelenkentzündung und -zerstörung deutlich. Myostatin reguliert also nicht nur das Muskelwachstum, sondern ist offenbar auch in den Knochenstoffwechsel involviert. „Die Ergebnisse lassen darauf hoffen, dass Myostatin einen wertvollen neuen Therapieansatz bietet", so Dr. Dankbar. „Vielleicht kann die Gelenkzerstörung bei rheumatoider Arthritis so in Zukunft gebremst werden."

Ob Myostatin die gleiche Bedeutung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis hat und inwiefern es erfolgreich als Therapieziel  funktioniert, wird die Zukunft zeigen. "Immunologische Grundlagenforschung hat in den letzten Jahren die moderne Rheumatologie revolutioniert, jedoch haben wir immer noch viele Patienten, denen wir nicht ausreichend helfen können. So kann der Erkenntnisgewinn der Forschung hoffentlich auch für diese Patienten eine Chance auf ein weitgehend normales Leben ohne Schmerzen und Funktionseinschränkungen bieten", ergänzt Dr. Florian Schuch vom Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh).

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster