23.07.2009

Niedergelassene Kardiologen: AOK-Ärzte-Bewertung verunsichert Patienten

Die Ärzte-Bewertung im Internet könnte den Patienten möglicherweise mehr verunsichern als ihm nützen...

Das Vorhaben der AOK, Anfang 2010 mit dem Ärzte-Navigator ein Portal zur Bewertung von Medizinern ins Internet zu stellen, könnte nach Einschätzung des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) in München die Verunsicherung von Patienten vergrößern. „Der BNK hat nichts grundsätzlich gegen einen Ärzte-TÜV. Allerdings legen wir Wert darauf, dass nach wissenschaftlichen Kriterien gearbeitet wird und die Ergebnisse repräsentativ sind", betont Dr. Norbert Smetak, erster Vorsitzender des BNK. „Die Politik muss uns die Möglichkeit geben, unsere qualitativ hochwertige Medizin anbieten zu können, damit der Frust der Patienten, beispielsweise über beschränkte Budgets für Medikamente, lange Wartezeiten und andere Folgen unzureichender Regelleistungsvolumina, nicht an uns Ärzten ausgelassen wird und es dadurch zu verfälschten Ergebnissen kommt."

„Bevor die AOK ihre 25 Millionen Mitglieder dazu aufruft, Leistung und Service bei niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten zu bewerten, ist es dringend erforderlich, die Probleme mit dem Gesundheitsfonds zu klären", fordert Dr. Smetak. „So sollte gesichert sein, dass die finanziellen Mittel gerecht verteilt werden und wir unsere Patienten adäquat behandeln können. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, dürfte ein Marketing-Instrument wie der Ärzte-Navigator, von dem im Moment auch noch keiner weiß, wie ausgereift und seriös es sein wird, die Verunsicherung vieler Patienten nur noch vergrößern."

Kardiologen führen bereits eine Qualitätssicherung durch

Einer Beurteilung an sich stehen die Kardiologen des BNK grundsätzlich gelassen gegenüber. „Ein Großteil der kardiologischen Praxen hat bereits umfassende Qualitätsanalysen durchführen lassen. Dabei wurden alle Bereiche des Praxismanagements und insbesondere die Patientenzufriedenheit detailliert untersucht", erklärt Dr. Smetak. Zahlreiche Praxen wurden in einer vom Institut für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) durchgeführten Analyse bewertet. Die Grundlage dieser Bewertung bilden Analyse-Ergebnisse aus knapp 11 000 Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen.

Auch über Patientenbefragungen hinaus haben Maßnahmen zur Qualitätssicherung beim BNK eine hohe Priorität und Tradition: So führte der Verband bereits 1995 das QuIK-Register (Qualitätssicherung in der Invasiv-Kardiologie) ein. „In diesem Register erfassen invasiv tätige kardiologische Praxen fortlaufend die Daten ihrer diagnostischen und therapeutischen Herzkathetereingriffe. Es ist weitaus umfassender und aussagekräftiger als das in Kliniken eingesetzte Qualitätsmanagementsystem", berichtet Dr. Smetak. „Inzwischen sind 120 Praxen eingeschlossen, was einem Organisationsgrad von über 90% entspricht." Seit 2001 wird die erfolgreiche Teilnahme am Monitoring auch zertifiziert. Das QuIk-Register liefert damit wertvolle Hinweise auf die hohe Indikations-, Prozess-, und Ergabnisqualität in der ambulanten Kardiologie. In diesen Tagen wurde der 1-millionste Datensatz eingegeben. QuIK ist hiermit auch das weltweit größte kardiologische Qualitätssicherungsprogramm mit Monitoring.