16.06.2013

Pflanzliche Alternativpräparate können den Erfolg einer Chemotherapie gefährden

Krebspatienten, die zu vermeintlich sanften, pflanzlichen Alternativpräparaten greifen, wissen offenbar nicht, dass sie damit den Erfolg einer Chemotherapie verringern. Davor warnen Internisten vom BDI.

Krebspatienten, die während einer Chemotherapie zusätzlich vermeintlich sanfte, alternative Präparate einnehmen, laufen Gefahr, den Erfolg ihrer Krebstherapie zu verringern. Davor warnt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI) und praktizierender Internist in einer Hamburger Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin, unter Berufung auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie mit 545 Krebspatienten im Alter zwischen 65 und 91 Jahren (siehe Cancer (2012), Band 118/19, Seite 4815-4823). 17% der  Studienteilnehmer griffen zu alternativmedizinischen, rezeptfreien Präparaten, und zwar häufiger in einem frühen als in einem späteren Krebsstadium - wenn sie sich also in einem noch relativ guten Gesundheitszustand befanden. Besonders häufig waren Glucosamin-Präparate (19%), Leinsamenöl (7%) und Coenzym Q10 (6%). Es wurden aber auch Präparate geschluckt, von denen bereits bekannt ist, dass sie sich negativ auf Stoffwechselvorgänge auswirken können, und die daher ein hohes Risiko darstellen - wie z.B. Knoblauchpillen (3,5%) und Ginkgo-Zubereitungen (1%). „Das Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen ist gerade bei pflanzlichen Präparaten, von denen sich manche Krebspatienten irrtümlich zusätzliche Hilfe versprechen, leider recht hoch", betont Wesiack. „Bekannt ist beispielsweise auch der negative Einfluss von grünem Tee auf Patienten, die unter einer Chemotherapie stehen: Die Wirkung der Chemotherapie wird dadurch erheblich reduziert. Gerade bei älteren Patienten, die mehrere verschreibungspflichtige Medikamente zugleich einnehmen müssen, dürfte sich die Gefahr von unerwünschten Arzneimittelinteraktionen durch pflanzliche Alternativmittel vervielfachen. Leider ist den Betroffenen offenbar gar nicht bewusst, dass sie mit den vermeintlich sanften Mitteln auch die Effektivität ihrer Krebstherapie abschwächen können - und das fatalerweise besonders oft in einem frühen, also eigentlich noch gut therapierbarem Krebsstadium."

Quelle: äin-red

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