06.05.2015

Physiotherapie senkt Medikamentenverbrauch bei aktiver Spondyloarthritis

Patienten mit aktiver Spondyloarthritis können mittels Physiotherapie ihre Krankheitsaktivität und Schmerzen verringern - und dadurch auch den Verbrauch an Biologika und deren Kosten...

Intensive Physiotherapie kann bei Patienten mit aktiver Spondyloarthritis dazu beitragen, den Verbrauch an Medikamenten zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Pilotstudie mit zwanzig Patienten, die kürzlich auf dem Pharmacon-Congress im österreichischen Schladming (Pharmazeutische Fortbildungswoche der Bundesapothekerkammer) von Prof. Ulf Müller-Ladner, Direktor der Abt. Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim, vorgestellt wurde (siehe The Journal of Rheumatology 2015, Band 41/9, Seite 1897-1898). Die Studienteilnehmer mit aktiver Spondyloarthritis besuchten dreimal wöchentlich für jeweils dreißig Minuten einen Physiotherapiekurs und reduzierten gleichzeitig die bisherige Dosis ihres Rheumamedikaments Etanercept (einTNFα-Hemmer, der zu den Biologica gehört) um die Hälfte. Bereits nach zwei Monaten war im Vergleich zum Studienbeginn eine deutliche Abnahme der Krankheitsaktivität zu beobachten, wobei diese nach weiteren zwei Monaten zusehends abnahm (BASDAI-Wert sank von durchschnittlich 6 auf 3,2). Selbst zwei Monate nach Beendigung der Physiotherapie hielt dieser positive Effekt an und die Patienten berichteten über deutlich weniger Rückenschmerzen als zu Beginn der Studie. Gleichzeitig nahmen sie weniger Medikamente ein: Am Ende des Beobachtungszeitraums entschied sich die Hälfte der Patienten dafür, weiterhin bei der reduzierten (also halben) Dosis Etanercept  zu bleiben. Auch die Anzahl der Patienten, die zu Beginn der Studie bei Bedarf zusätzlich noch Schmerzmedikamente (nicht steroidale Antirheumatika, NSAR) eingenommen hatten, war nach der Physiotherapie auf die Hälfte (von 16 auf 8) gesunken.

Die Kostenersparnis durch die halbierte Etanercept-Dosis in Kombination mit Physiotherapie im Vergleich zur vollen Etanercept-Dosis beziffern die Studienautoren für alle Patienten während ihrer Studie auf immerhin 76.000 Euro. Selbst wenn ihre Pilotstudie ohne Kontrollgruppe auskommen musste, sind die Studienautoren sehr zuversichtlich, dass intensive Physiotherapie eine wirksame Therapiealternative darstellt, die einen Teil der Biologika-Dosis ersetzen kann - mit dem positiven Zusatzeffekt, sowohl den Verbrauch an Medikamenten als auch die Therapiekosten zu drosseln.