14.04.2011

Reisegelbsucht: Viruslast beeinflusst Krankheitsschwere

Auch gesunde junge Menschen können schwer an Hepatitis A erkranken, wenn sie besonders viele Hepatitis A Viren aufnehmen. Davor warnen die Internisten des BDI.

Japanische Forscher sind der Frage nachgegangen, warum Hepatitis A, die so genannte Reisegelbsucht, bei gesunden jungen Menschen zu schweren Krankheitsverläufen und sogar zum Leberversagen führen kann. Dabei stellten sie einen Zusammenhang mit der Viruslast, d.h. der Menge der im Körper zirkulierenden Viren, und der Schwere des Krankheitsverlaufs fest. „Hepatitis-A-Viren werden durch Schmierinfektion übertragen, vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser und kontaminierte Lebensmittel, wie z.B. Schalentiere, mit verunreinigtem Wasser gewaschener Salat oder durch von Virusträgern unsachgemäß zubereitetes Essen. Nimmt ein gesunder Mensch besonders viele Viren auf, kann auch er schwer erkranken. Für Immungeschwächte, Lebergeschädigte und ältere Menschen können bereits geringere Mengen gefährlich sein", erklärt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Der Krankheitsausgang hängt vermutlich davon ab, wie ausgeprägt der Virusbefall ist und wie schnell und heftig die Immunabwehr  befallene Leberzellen zerstört und beseitigt, vermuten die Wissenschaftler um Keiichi Fujiwara von der Universität in Chiba und seine Kollegen.

Hepatitis-A-Viren - unsichtbar in Lebensmitteln

0,1% bis 0,2% der Hepatitis-Patienten erleiden die besonders schwere Form, die so genannte fulminante Hepatitis. „Hepatitis A tritt weltweit auf, insbesondere in Ländern mit geringem hygienischem Standard'", so Dr. Löscher. Das Virus kann sich fast überall verbergen. 2003 haben sich beispielsweise fast 1.000 Menschen nach dem Besuch einer mexikanischen Fast-Food-Kette im US-Bundesstaat Pennsylvania infiziert. Es gab auch drei Todesfälle. Mit Viren belastete Frühlingszwiebeln, die aus Mexiko importiert wurden, waren die Ursache der Epidemie. In Ägypten, Hurghada, war 2004 ein mit Viren belasteter Orangensaft für die Erkrankung von ca. 350 Touristen - ein Großteil davon Deutsche - und viele Krankenhauseinweisungen verantwortlich. Reisende können das Virus auch importieren, was immer wieder zu kleinen Epidemien in Deutschland führt. Im Nürnberger Raum wurde ein Fall bekannt, in dem ein Metzger ohne Impfung nach einem Mallorca-Urlaub eine Hepatitis-A-Epidemie ausgelöst hatte.

Impfung bietet sichersten Schutz

In Ländern mit mangelnden hygienischen Verhältnissen gibt es ein paar Grundregeln, die zu beachten sind: „'Peel it, cook it or forget it' (‚schälen, kochen oder verwerfen'). Zum Zähneputzen sollte z.B. in Ländern mit mangelnder Wasseraufbereitung nur abgekochtes Wasser verwendet werden. Lebensmittel, die mit verunreinigtem Wasser in Berührung gekommen sein können, sollten Reisende sicherheitshalber meiden. Um kein Risiko einzugehen, können sich Urlauber noch unmittelbar vor der Reise impfen lassen. Eine zweite Hepatitis-A-Impfung im Abstand von 6-12 Monaten schützt dann für mindestens 10 Jahre. Es ist auch ein Kombinationsimpfstoff im Handel, der sowohl gegen Hepatitis A wie B immunisiert.