26.06.2008

Reisende sollten in Norditalien auf Insektenschutz achten

In Italien können Stechmücken verschiedene Krankheiten übertragen, z.B. die Erreger des Chikungunya-Fiebers...

Urlauber sollten sich in den Sommermonaten auch in Mittelmeerländern wie Italien vor Mückenstichen schützen, da dort verschiedene durch Stechmücken übertragene Krankheiten vorkommen. So treten in ganz Italien die durch Sandmücken übertragenen Leishmaniosen auf, Infektionen durch parasitäre Einzeller, die zu chronischen Hautgeschwüren oder zu schwerwiegenden fieberhaften Erkrankungen mit Beteiligung von Knochenmark und inneren Organen führen können. Durch dieselben Mücken wird vor allem in Mittelitalien aber auch in anderen Mittelmeerregionen das Toscana-Virus übertragen, das eine Hirn- oder Hirnhautentzündung verursacht.

Seit 1990 hat sich in Italien die asiatische Tigermücke Aedes albopictus ausgebreitet, die die Erreger des Chikungunya- und des Dengue-Fiebers auf den Menschen übertragen kann. Letzten Sommer hat es in der Gegend um Ravenna eine lokale Chikungunya-Epidemie gegeben, die von einem erkrankten Reiserückkehrer ausging. Dieser hatte sich in Indien infiziert, wo seit 2006 eine große Chikungunya-Epidemie auf dem Vormarsch ist. „Dies zeigt, dass unter günstigen Bedingungen auch solche exotischen Viren in Europa auftreten können", warnt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

Das Chikungunya-Fieber wird durch Aedes-Mücken und andere Stechmücken übertragen und verursacht hohes Fieber und Gelenkschmerzen. Bislang gibt es weder eine Impfung gegen die Erkrankung noch eine spezielle Behandlung. „Der beste Schutz gegen diese durch Stechmücken übertragenen Krankheiten besteht darin, sich in den betroffenen Gebieten nicht stechen zu lassen", rät Prof. Löscher. Dazu sollten Urlauber wann immer möglich hautbedeckende Kleidung tragen und sich mit Anti-Mückenmitteln einreiben. „Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sollten Mückenmittel jedoch nur in Rücksprache mit ihrem Arzt anwenden. Imprägnierte Kleidung ist dagegen in jedem Falle ratsam und unbedenklich", so der Infektions- und Tropenmediziner. Gegen nachtaktive Stechmücken seien auch insektizid-beschichtete Moskitonetze wichtig.

Neue Infektionskrankheiten auch in Deutschland?

Das Chikungunya-Virus kommt vor allem in Afrika, Indien und Südost-Asien vor. Ausbrüche der Erkrankung sind nach Einschätzung von Tropenmedizinern aber auch in Europa möglich. Zuletzt war es im Sommer 2007 in der norditalienischen Region Region Emilio-Romana zu einem Ausbruch mit über 200 Krankheits- und einem Todesfall gekommen. Bislang erloschen solche lokalen Epidemien wieder von alleine, da das kälteempfindliche Virus den europäischen Winter nicht überstand. Experten befürchten jedoch, dass sich der Erreger künftig dauerhaft in Europa halten könnte, wenn die Temperaturen im Zuge des Klimawandels weiter ansteigen. Zudem gibt es Hinweise dass das Virus von infizierten Mücken auf ihre Brut weitergegeben werden kann. Selbst in Deutschland könnte Chikungunya dann zu einer Gefahr werden: So ist die Tigermücke kürzlich erstmals in Süddeutschland gesichtet worden.