09.10.2012

Rheumatiker sollten mehr Sport treiben

Verschiedene sportliche Aktivitäten - auch langsam ausgeführt - lindern bei Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen die Schmerzen und verbessern ihre Beweglichkeit.

Passend zum Motto des diesjährigen Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober - "Aktiv gegen Rheumaschmerz" - plädieren auch Experten der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) dafür, dass Rheuma-Patienten mehr Sport treiben sollten. Funktionstraining, Rehabilitationssport, Physiotherapie und vor allem langsame Sportarten mindern bei Menschen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen die Schmerzen und verbessern ihre Beweglichkeit. In den vergangenen Jahren übernahmen jedoch die Krankenkassen seltener die Kosten einer Bewegungstherapie. Zudem nahmen immer weniger Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) eine stationäre Rehabilitation wahr: Ihre Zahl ist seit 1994 um mehr als die Hälfte gesunken. Das zeigen aktuelle Daten der Kerndokumentation der regionalen kooperativen Rheumazentren. Dabei erhöhen Bewegungstherapien und Rehabilitation nicht nur die Lebensqualität, sondern vermindern auch Arbeitsausfälle, Frühberentung und Folgekosten.

Starke Schmerzen der Gelenke schränken viele Menschen mit RA bei alltäglichen Bewegungen ein. „Trotzdem erhält etwa ein Drittel dieser RA-Patienten nie eine Rehabilitation und ein Fünftel nie ambulante Bewegungstherapien", kritisiert Prof. Dr. med. Wilfried Mau, Sprecher der DGRh-Kommission Rehabilitation und Sozialmedizin. Dabei würden Funktionstraining und Rehabilitationssport ihre Beweglichkeit verbessern und dauerhafte Fehlstellungen von Gelenken verhindern. „Sportlich aktive Rheuma-Patienten berichten häufiger über eine bessere Lebensqualität und ein gutes psychisches Wohlbefinden", ergänzt Mau von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Dennoch sei ein inaktiver Lebensstil bei Rheuma-Patienten verbreitet. Etwa 40 Prozent der RA-Patienten treiben gar keinen Sport. Zwar bieten Vereine und Selbsthilfegruppen wie die Deutsche Rheuma-Liga Funktionstraining und Rehabilitationssport-Gruppen an. Rheuma-Patienten mit Gelenkschmerzen seien aber oft verunsichert, wie viel und vor allem welcher Sport geeignet ist. Mau zufolge biete eine Sport- und Physiotherapie, bei der sie sich unter Anleitung bewegen - am besten in Verbindung mit Informationen und Verhaltenstraining im Rahmen der Rehabilitation - allerdings einen guten Einstieg in dauerhafte sportliche Aktivitäten. Spezialisierte Rehabilitationszentren, die über Erfahrungen mit einer großen Zahl von Rheuma-Patienten verfügen, seien besonders geeignet.

Die DGRh empfiehlt, das Sportprogramm an die jeweilige Krankheitssituation anzupassen. „Ist zum Beispiel nur die Hand betroffen, empfehle ich, Fußball zu spielen, aber möglichst nicht Basketball", so Prof. Dr. med. Ekkehard Genth, Generalsekretär der DGRh, Aachen. Seien hingegen viele Gelenke entzündet, bietet sich eine Bewegungstherapie in warmem Wasser an. Allgemein seien Sportarten mit langsamen Bewegungsabläufen - wie etwa Nordic Walking - bei Rheuma geeigneter, und die Trainingseinheiten sollten lieber kurz und dafür häufig absolviert werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)