07.04.2008

Rheumatologen-Kongress in Berlin: Viele Rheuma-Patienten werden zu spät behandelt

Jeder 3. Rheuma-Patient wird nicht von einem Rheumatologen behandelt...

 

Bild: Dr. Edmund Edelmann, Bad
Aibling)

In Deutschland leidet etwa 1% der Bevölkerung, das sind etwa 800.000 Menschen, an rheumatoider Arthritis. Trotzdem werden rheumatologische Erkrankungen hierzulande häufig immer noch zu spät erkannt und behandelt. Gründe dafür sind ein mangelndes Bewusstsein für diese Erkrankungen und eine zu späte Überweisung an einen Rheumatologen. Auf dem 3. Kongress des Berufsverbandes am 11. und 12. April in Berlin diskutieren Experten deshalb den aktuellen Stand der Versorgungslage von Rheuma-Patienten und wie diese weiter verbessert werden könnte.

„Menschen mit schmerzhafter, weicher Schwellung eines oder mehrerer Gelenke, mit einer Morgensteifigkeit der Gelenke von 30 Minuten oder länger sollten innerhalb von 6 Wochen nach dem Auftreten der ersten Beschwerden einen Rheumatologen aufsuchen", rät Kongresspräsident Dr. Edmund Edelmann vom Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh). Obwohl sich die Versorgung von Rheumatikern in den letzten Jahren verbessert habe, gebe es immer noch große Defizite: „Nur 64% der Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich in regelmäßiger Behandlung beim Rheumatologen", so Dr. Edelmann.

Mangel an Rheumatologen 

Zudem gibt es nach wie vor zu wenig ambulant tätige Rheumatologen: Derzeit gibt es bundesweit  pro 115.000 Erwachsene einen internistischen Rheumatologen. Für eine ausreichende Versorgung wird jedoch ein internistischer Rheumatologe pro 50.000 Einwohner benötigt. „Neue Praxissitze und Ambulanzen werden durch eine Fehlsteuerung bei der Bedarfszulassung verhindert", beklagt Dr. Edelmann. Denn bundesweit gebe es trotz des Bedarfes an Rheumatologen keine Niederlassungsmöglichkeit für internistische Rheumatologen. Patienten müssen infolgedessen oft zu lange auf einen Untersuchungstermin warten. „Das wichtige Ziel, eine schnelle Behandlung von Rheumatikern durch einen Facharzt zu gewährleisten, erfordert daher einen freien Zugang von Rheumatologen zur ambulanten Versorgung, aber ebenso eine weitere Verbesserung der Kooperation zwischen Hausärzten und Rheumatologen ", fordert der Rheumatologe.

Weitere Themen des Kongresses sind Fortschritte bei Diagnose- und Therapieverfahren, die dauerhafte Gelenk- und Organschäden verhindern können. „So lassen sich rheumatologische Erkrankungen mit Hilfe der Kernspintomografie und dem hochauflösenden Ultraschall in einem deutlich früheren Stadium erkennen, als es mit herkömmlichen Röntgengeräten möglich ist", erklärt Dr. Edelmann. Damit könne mit der Behandlung begonnen werden, bevor die Erkrankung die Gelenke unwiederbringlich zerstört.