25.03.2020

Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf

Bei Patienten, die wegen des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 intensivmedizinisch betreut werden müssen, spielen kardiovaskuläre Vorerkrankungen eine entscheidende Rolle.

Seit Dezember breitet sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ausgehend von der chinesischen Millionenstadt Wuhan weltweit aus. In schweren Fällen kann die Infektion zu Organfunktionsstörungen und zum Tod führen. Derzeit gibt es keine spezifischen Therapien oder Impfstoffe dagegen.

Ein Forscherteam um Dr. Dawei Wang von der Universität Wuhan in China analysierte in einer aktuellen Studie Daten von 138 Patienten, die im Januar 2020 in das zugehörige Universitätsklinikum eingeliefert wurden (siehe JAMA, Online-Veröffentlichung am 7.2.2020). Sie untersuchten die klinischen Merkmale der Patienten und verglichen schwerwiegende Fälle, die auf der Intensivstation behandelt wurden, mit weniger ernsten Fällen. Dabei berücksichtigten sie epidemiologische, demografische, klinische, labortechnische und radiologische Daten sowie Behandlungsdaten.

26% der Patienten mussten auf der Intensivstation betreut werden und 4,3% starben. Bei 41% der Teilnehmer vermuteten die Forscher, dass sie sich im Krankenhaus mit dem Virus infiziert hatten. Bis Anfang Februar wurden 34,1% der Patienten entlassen, ihr Klinikaufenthalt betrug durchschnittlich 10 Tage. Die übrigen Überlebenden (61,6%) mussten weiterhin im Krankenhaus bleiben. Das Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren, 54,3% waren Männer.

Die häufigsten Symptome zu Beginn der Erkrankung waren Fieber (98,6%), Müdigkeit (69,6%), trockener Husten (59,4%), Muskelschmerzen (34,8%) und Atemnot (31,2%). Seltener waren Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Die Intensivpatienten berichteten im Vergleich zu den anderen häufiger über Rachenschmerzen, Atemnot, Schwindel, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit (Anorexie).

46,4% der infizierten Patienten hatten Begleiterkrankungen, am häufigsten kardiovaskuläre: 31,2% hatten Bluthochdruck, 14,5% Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 10,1% Diabetes und 7,2% maligne hämatologische Erkrankungen. Die Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten, waren signifikant älter, im Durchschnitt 66 Jahre gegenüber 51 Jahren.

Im Vergleich zu den Patienten, die keine intensivmedizinische Betreuung benötigten, hatten sie häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck (58,3% vs. 21,6%), Diabetes (22,2% vs. 5,9%), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (25,0% vs. 10,8%) und Hirngefäß-Erkrankungen (16,7% vs. 1,0%).

Das höhere Alter und die größere Anzahl an Begleiterkrankungen der Intensivpatienten deuten darauf hin, dass dies Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf sein können. Der Anteil der Männer und Frauen, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, war ähnlich hoch. Das steht im Gegensatz zu einer kürzlich veröffentlichten Studie, die darauf hinwies, dass Männer möglicherweise öfter betroffen sein könnten. Eine mögliche Erklärung dafür ist nach Ansicht von Wang und Kollegen, dass in diesen Studien jene Patienten berücksichtigt wurden, die sich auf dem Markt in Wuhan angesteckt hatten, wo die Epidemie begonnen hatte. Das Virus war dort vermutlich von illegal verkauften Wildtieren auf Menschen übertragen worden, und es hatten vor allem Männer dort gearbeitet.

Quelle: Kardiologie.org

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