26.10.2008

Schlankheitspille wegen Depressions-Risiko vom Markt genommen

Patienten sollten das Medikament aber nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen...

Wegen der Gefahr von Depressionen hat der Pharmakonzern Sanofi-Aventis seine Schlankheitspille Acomplia europaweit vom Markt genommen. In der EU kam es seit der Zulassung des Mittels zu mehreren Selbstmorden bzw. -versuchen, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn mit. Patienten, die gegenwärtig Acomplia einnehmen, sollten ihren behandelnden Arzt um Rat fragen, ob und wie eine Behandlung fortgeführt werden soll. Es sei aber nicht notwendig, das Arzneimittel sofort abzusetzen, raten Fachleute der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK).

Mit der Rücknahme vom Markt folgt das Unternehmen einer Aufforderung der europäischen Arzneibehörde EMEA vom Donnerstagabend. "Die Risiken überwiegen die Vorteile", sagte ein Sprecher von Sanofi-Aventis am Freitag in Paris. Acomplia könne Depressionen vor allem dann auslösen, wenn Patienten bereits früher daran litten.

Appetitzügler mit Nebenwirkungen

Diese Gefahr kannten die zuständigen Behörden schon lange. «Das war schon bei der Zulassung in der EU 2006 bekannt», sagte Ulrich Hagemann vom BfArM. In den USA sei dem Mittel 2007 wegen der drohenden Auswirkungen auf die Psyche keine Zulassung erteilt worden. Seit der Markteinführung in den EU-Ländern hat es eine ansteigende Zahl ärztlicher Berichte über Nebenwirkungen gegeben, allein in Deutschland insgesamt 250. Neben Herz- Kreislauf-Problemen, Hautreaktionen und Übelkeit ist auch immer wieder von Depressionen berichtet worden. Zudem gab es in Deutschland 4 Suizidversuche, die mit Acomplia in Verbindung gebracht werden.

Acomplia basiert auf dem Wirkstoff Rimonabant, der im Gehirn Hungergefühle unterdrückt. Das Medikament ist nach Angaben des BfArM nur Patienten mit stark erhöhtem Gewicht und weiteren Risikofaktoren wie hohen Blutfettwerten oder Diabetes verschrieben worden. Auch von anderen Appetitzüglern wie zum Beispiel Sibutramin - in Europa unter dem Markennamen Reductil erhältlich - sind schwere Nebenwirkungen bekannt, beispielsweise Herz-Kreislauf-Beschwerden.