16.02.2016

Schonendere Behandlung bei Riesenzellenarteriitis möglich

Riesenzellenarteriitis ist eine rheumatische Erkrankung, die bisher nur durch hochdosierte Steroide behandelbar war. Effizienter und schonender ist eine neue Kombi-Therapie.

Riesenzellenarteriitis (RZA, früher auch Arteriitis cranialis, Arteriitis temporalis, Morbus Horton, Horton-Magath-Brown-Syndrom genannt) gehört zu den autoimmunbedingten, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und ist eine systemische Gefäßentzündung (Vaskulitis), die vor allem bei älteren Menschen die Schläfenarterien (Arteriae temporales) befällt. Unbehandelt besteht ein Risiko von etwa 20 Prozent zu erblinden, da die Entzündung der Arterien zu einer ungenügenden Durchblutung der Sehnervenpapille führt. Bislang wurde die Riesenzellenarteriitis ausschließlich mit Steroiden behandelt, die allerdings hoch dosiert werden müssen, um die Krankheit in Schach zu halten. Deren Nebenwirkungen sind für viele Patienten eine Belastung.

Jetzt kann mit einer neuen Kombi-Therapie die Erkrankung innerhalb weniger Monate kontrolliert werden, auch Rückfälle lassen sich verhindern. Den Beleg dafür erbrachte Sabine Adler, Oberärztin an der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie des Inselspitals Bern gemeinsam mit ihrem Forschungsteam in einer Doppel-Blind-Studie, deren Ergebnisse kürzlich auf dem Jahresmeeting des American College of Rheumatology vorgestellt wurden. Adler zufolge neutralisiert das zusätzliche Medikament in der Kombi-Therapie denjenigen Botenstoff, der für die Gefäßwandentzündung verantwortlich ist. Zusammen mit dem herkömmlichen Steroid kann die Entzündung somit rasch und vollständig eingedämmt werden.

Das verantwortliche Forschungsteam der Klinik für Rheumatologie testete mit insgesamt 30 Patienten die Kombination von Steroiden mit dem neuen Medikament gegen eine Kombination von Steroiden und Placebo. Von den 20 Patienten, welche die neue Therapie erhielten, hatten 17 nach 12-wöchiger Therapie keine Beschwerden mehr und ebenfalls 17 hatten keinen Rückfall erlitten (entspricht je 85%). In der Kontrollgruppe von 10 Patienten waren bloß 4 beschwerdefrei (40%) und nur 2 erlitten keinen Rückfall (20%).

„Dies sind hervorragende Ergebnisse", betont Prof. Peter Villiger, Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Rheumatologie, Allergologie und klinische Immunologie des Inselspitals. „Es sind phänomenale Nachrichten nicht nur für Rheumatologen, Internisten und Hausärzte sondern natürlich zuallererst für die betroffenen Patienten."

„Erst wenn eine Zulassung für Tocilizumab in Deutschland erfolgt ist, kann diese Therapieoption außerhalb von off-label-Therapien im Alltag eingesetzt werden. Bis dahin bleibt die Standardtherapie der Gold-Standard, der ja auch meistens ausreicht", kommentiert Dr. Florian Schuch, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und praktizierender Rheumatologe in Erlangen, diese vielversprechenden Daten.

Quelle: Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie, Inselspital Bern