10.11.2008
Schrittmacher gegen Bluthochdruck getestet
Das neue Gerät könnte künftig Patienten helfen, bei denen Medikamente Bluthochdruck nicht ausreichend senken können...
Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat als erste deutsche Klinik einen in den USA entwickelten Schrittmacher gegen Bluthochdruck erprobt: 8 Patienten haben an der MHH einen Schrittmacher gegen Bluthochdruck implantiert bekommen. Das Gerät sendet Elektroimpulse an die Halsschlagader und gaukelt dem Gehirn einen dauerhaft viel zu hohen Blutdruck vor. Das Gehirn senkt daraufhin den Blutdruck. Die meisten Patienten müssen zwar trotzdem weiter Medikamente nehmen, die Gefahr von Folgekrankheiten sinkt nach Angaben der Hochschule allerdings drastisch.
Signale ans Gehirn
Der Schrittmacher ist etwa halb so dick und doppelt so lang wie eine Streichholzschachtel und wird unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. An die Halsgefäße werden Drucksensoren gesetzt. Das Gerät sendet laufend Elektroimpulse zu den Halsschlagadern, dort befinden sich Nervenknoten, die den Blutdruck überwachen. Die Reizung durch die winzigen Stromstöße führt dazu, dass die Nervenknoten dem Gehirn einen dauerhaft viel zu hohen Blutdruck vorgaukeln. Dies veranlasst das Gehirn dazu, die Gefäße stark zu erweitern, was den Blutdruck senkt.
Die technisch anspruchsvolle Operation unter Vollnarkose dauert 2 bis 4 Stunden, da die Elektroden an den Halsschlagadern in verschiedenen Positionen getestet werden müssen, bis sie das optimale Ergebnis liefern. Der Schrittmacher kann von außen über Funk justiert werden, bis die individuell beste Impulsfrequenz gefunden ist. Dank der neuen Methoden konnte bei einigen Patienten der Blutdruck kurzfristig um bis zu 100 mmHg gesenkt werden.
Ziel der Studie ist es zu zeigen, dass die Behandlung mit dem Schrittmacher nicht nur kurzzeitig hilft. Die amerikanische Herstellerfirma bereitet zudem derzeit eine zulassungsrelevante Studie mit 300 Patienten aus den USA und Europa vor.
