10.08.2010
Selbstmörder-Molekül soll Gelenkschmerzen lindern
Forscher in den USA haben ein Molekül nachgebaut, das defekte Immunzellen in entzündeten, rheumatischen Gelenken zerstört, und zwar angeblich ohne Nebenwirkungen auszulösen.
US-Forscher um Harris Perlman von der Feinberg School of Medicine in Chicago hoffen mit einem so genannten Selbstmörder-Molekül, das im Labor hergestellt wurde, in Zukunft Menschen mit Gelenkrheumatismus helfen zu können: Ihren Angaben zufolge haben sie ein Molekül nachgebaut, das in wuchernde Immunzellen eindringt, die für die schmerzhafte Krankheit verantwortlich sind. Dort soll es von innen heraus die hyperaktive Zelle zerstören und anschließend auch sich selbst. In Versuchen mit Mäusen haben die Wissenschaftler nun gezeigt, wie diese suizidal angelegte Atomverbindung Gelenkrheumatismus stoppen oder sogar rückgängig machen könnte. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass dieser Zell-Zerstörungsprozess angeblich keinerlei toxische Nebeneffekte hervorrufen soll. Demgegenüber seien bisherige Therapiemethoden – wie eine schwach dosierte Chemotherapie oder die neuere, ergänzend eingesetzte Biologic-Response-Modifiers Therapie - häufig von unerwünschten Nebenwirkungen begleitet und auch nur bei einem Teil der Patienten effektiv wirksam, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Arthritis & Rheumatism (2010, Band 62, Ausgabe 2, Seite 441 – 451 siehe www3.interscience.wiley.com/journal/123266749/abstract). Ihrer Ansicht nach berge das jetzt neu nachgebaute Molekül ein großes Potenzial, um künftig effektive Medikamente gegen Gelenkrheumatismus zu entwickeln.
Gesunde Immunzellen sterben normalerweise ab, nachdem sie ein Virus oder Bakterium attackiert haben. Bei Gelenkrheumatismus leben die Fresszellen des Immunsystems jedoch weiter und werden zu äußerst unangenehmen Übeltätern: Sie wuchern im Blut und lagern sich in Gelenken sowie in Knorpeln und Knochen ein. Die Wissenschaftler um Perlman entdeckten nun, dass hyperaktive Immunzellen über sehr wenige so genannter Bim-Moleküle verfügen. Diese sind für ein korrektes Funktionieren der Fresszellen allerdings sehr wichtig, da sie es sind, die den Selbstzerstörungsmechanismus in der Zelle nach einer erfolgreichen Attacke gegen Eindringlinge auslösen. Um den Mangel an Bim-Molekülen beheben zu können, haben die Forscher die selbstmörderische Atomverbindung nachgebaut.
Um die Wirkung des neu entwickelten Wirkstoffs zu überprüfen, injizierten die Forscher die Selbstmörder-Moleküle Mäusen, die an Gelenkrheumatismus erkrankt waren. Daraufhin glitten die Atomverbindungen ungehindert in die Immunzellen hinein und zerstörten dann die kranken Zellen von innen. Angeblich bei 75 Prozent der behandelten Tiere konnte die Krankheit auf diese Weise gestoppt werden: Die Gelenkschwellungen bildeten sich den Forschern zufolge zurück und sogar die Zersetzung der Knochen verringerte sich. Eine Entwicklung geeigneter Medikamente für den Menschen wird allerdings noch viele weitere Studien erfordern und dürfte insofern – und wenn überhaupt – noch in ferner Zukunft stehen.
