22.06.2011
Software hilft entscheiden, ob Rheuma vorliegt oder nicht
Eine Methode, die die Diagnose von Rheuma noch zuverlässiger machen soll, wurde jetzt in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entwickelt und vorgestellt.
Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet in Deutschland an rheumatoider Arthritis. Das sind genauso viele Patienten wie bei Diabetes, Arteriosklerose und Krebs zusammen. Da Rheuma-Medikamente teuer und mit Nebenwirkungen verbunden sind und da sich Rheuma im fortgeschrittenen Stadium ohne Operation kaum noch behandeln lässt, ist eine frühzeitige Diagnose besonders wichtig. An immer mehr Kliniken wird dazu ein neuartiges Fluoreszenz-Bildgebungsverfahren eingesetzt, das in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entwickelt wurde und deutlich preiswerter ist als Kernspin-Untersuchungen sowie deutlich harmloser als Röntgenaufnahmen, da nicht mit schädlicher Strahlung verbunden (wir berichteten - siehe: www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_718_neues-optisches-verfahren-zeigt-entz-ndungsherde-an.html).
Mithilfe einer neuen Auswertemethode mittels einer Datenanalyse-Software dürfte dieses Fluoreszenzverfahren jetzt noch effizienter werden. Im klinischen Einsatz hat es sich mittlerweile schon bewährt: Eine Berliner Firma hat die Lizenzrechte für das Verfahren erworben und deutschlandweit bisher 20 Geräte an niedergelassene Ärzte und Kliniken geliefert. Parallel dazu hat die PTB ein zweites Auswertegerät (neben dem bisherigen Kamerasystem „Imager") entwickelt: ein Laser-Scanner-System. Dieser Laser-Scanner befindet sich derzeit im Prototypstadium, hat schon seine ersten klinischen Tests erfolgreich hinter sich und bietet vermutlich eine noch höhere Tiefenauflösung im Fluoreszenzbild als das Kamerasystem. Mit beiden Geräten entstehen Bilder, die der Arzt zur Diagnose auswerten muss. Das ist nicht immer einfach, da die optischen Eigenschaften der Haut und des darunterliegenden Gewebes von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind.
Gerade bei neuen Untersuchungsverfahren ist es hilfreich sein, wenn ein Arzt objektive Auswertemethoden in seinen Entscheidungsprozess mit einbeziehen kann. Eine Methode, die die Diagnose von Rheuma in diesem Sinne noch zuverlässiger machen soll, wurde jetzt in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entwickelt und vorgestellt. Es handelt sich um eine Datenanalyse-Software, die die Aussagefähigkeit des Bildgebungsverfahrens verbessern soll: Sie vergleicht den zeitlichen Verlauf der Fluoreszenzsignale aus den suspekten Fingergelenken mit dem Verlauf über den nicht entzündeten Fingerspitzen als Referenz. Damit kann den Ärzten vor allem in Zweifelsfällen geholfen werden, in denen nicht klar ist, ob es sich bei einem auffälligen Befund um individuelle Besonderheiten des jeweiligen Patienten (bzw. seiner Haut) handelt oder wirklich um einen Rheumaherd. Erste Tests ergaben eine Treffsicherheit der neuen Auswertemethode von bis zu 72 % in Kombination mit einem kameragestützten Bildgebungssystem und sogar 92 % mit einem Laser-Scanner System. Dies ist, wie oben bereits angedeutet, womöglich durch eine bessere Tiefenauflösung beim Laser-Scanner begründet, was jedoch durch weitere Untersuchungen erst noch genauer verifiziert werden muss.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich durch das objektive, quantitative Datenanalyseverfahren die Interpretation und Aussagefähigkeit der dynamischen Fluoreszenz-Bildgebung und somit hoffentlich auch die Rheuma-Diagnose verbessern lassen.
Quelle: Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
