08.11.2016
Spielkonsole kann zur Bewegungsförderung bei Rheuma beitragen
Bei Rheumapatienten, die wenig körperlich aktiv sind, kann ein animiertes Heimübungsprogramm unter Nutzung einer Spielkonsole zur Bewegungsförderung beitragen. Das berichten Forscher der Berliner Charité.
Ob ein animiertes Heimübungsprogramm unter Nutzung einer Spielkonsole Rheumapatienten dazu veranlassen kann, ein regelmäßiges, gezieltes Training zu absolvieren, haben Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin untersucht. Ergebnis: Solche Heimübungsprogramme können tatsächlich zur Bewegungsförderung beitragen, insbesondere bei Patienten mit Gelenkerkrankungen, die aus Zeitgründen oder aufgrund der schlechten Erreichbarkeit einer physiotherapeutischen Praxis kaum noch körperlich aktiv sind (siehe BMC Musculoskeletal Disorders 2016, Band 17/1, Seite: 351). Dabei scheint der motivierende Aspekt einer Spielkonsole unabhängig vom Patientenalter und der Krankheitsdauer eine entscheidende Rolle zu spielen.
Rheumatoide Arthritis ist die häufigste Form einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung. Damit die Funktionen der Gelenke möglichst lang erhalten bleiben, sind Physiotherapie und körperliche Bewegung für Rheumapatienten von zentraler Bedeutung. Betroffene klagen allerdings häufig über fehlende Anleitung oder mangelnden Zugang zu einer Bewegungstherapie. Übungsprogramme mit Hilfe einer Spielkonsole können daher eine alternative, unterstützende Option für die Patienten darstellen.
Die Pilotstudie ist über ein halbes Jahr mit zwei Behandlungsgruppen an der Charité durchgeführt worden. Ausschließlich Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis mit niedriger Krankheitsaktivität unter Therapie mit einem biologischen Basismedikament sind in die Untersuchung einbezogen worden. Nach einer detaillierten Einführung in das eigenständige Training haben 15 Patienten mit einem konventionellen heimbasierten physiotherapeutischen Übungsprogramm und weitere 15 Patienten mit einem definierten animierten Übungsprogramm an einer Spielkonsole begonnen. Nach zwölf Wochen wechselten die Patienten in die jeweils andere Behandlungsgruppe für einen Behandlungszeitraum von ebenfalls zwölf Wochen.
Die Auswertung der Ergebnisse zeigt: Übungsprogramme an Spielkonsolen für die Nutzung zu Hause haben durchaus einen therapeutischen Effekt. „Im Vergleich zu herkömmlichen heimbasierten, physiotherapeutischen Übungen konnten wir gleiche Effekte feststellen. Hinzu kommt, dass auf diese Weise mehr Spaß in das Behandlungskonzept gebracht werden kann, was die Therapietreue und somit die Wirksamkeit erhöht", erklärt Jan Zernicke, Studienkoordinator an der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité. Die Gesamtmuskelkraft der Patienten stieg um etwa zwölf Prozent an und die Gehleistung erhöhte sich um durchschnittlich fünf Prozent.
Die Ergebnisse dürften Patienten mit rheumatischen Erkrankungen ermutigen, gemeinsam mit ihren Physiotherapeuten und Rheumatologen eine ergänzende Behandlung mit diesem oder ähnlichen animierten Übungsprogrammen zu besprechen. Auch die physiotherapeutische Betreuung „per remote", also aus der Ferne via PC und Webcam, ist keine Fiktion mehr. In Flächenländern wie Kanada wird sie bereits praktiziert und kann eine ergänzende Option in der Rheumabehandlung darstellen.
Quelle: Charité - Universitätsmedizin Berlin
