16.08.2011
Sport treiben – bei Rheuma empfehlenswert
Nach heutigem Kenntnisstand kann Sport die Behandlung von Rheuma sinnvoll unterstützen. Darauf weisen Rheumatologen der DGRh im Vorfeld ihres Jahreskongresses hin.
Viele Menschen mit Rheuma meiden körperliche Aktivitäten. Dabei kann Sport nach heutigem Kenntnisstand die Behandlung sinnvoll unterstützen - auch nach einem Gelenkersatz. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im Vorfeld ihres Jahreskongresses vom 31.8.-3.9. in München hin.
Bei einer rheumatoiden Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe in den Gelenken an. „Viele Patienten neigen dazu, sich körperlich mehr als notwendig zu schonen", berichtet Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie/Unfallchirurgie an der m&i-Fachklinik Herzogenaurach. Dies sei jedoch ein Fehler, so der Experte. Denn ohne Bewegung kommt es auf Dauer zu einem Verlust an Muskelkraft und Koordination. „Und wer körperlich nicht fit ist, hat im Alter ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen."
Eine Rheumaerkrankung ist kein Hinderungsgrund für eine sportliche Betätigung. Die Schmerzen lassen sich heute gut lindern, die Gelenkzerstörung kann durch Medikamente positiv beeinflusst werden. Die meisten Patienten können so ohne zusätzliche Beschwerden Sport treiben. Und sollten dies auch tun: Klinische Studien belegen, dass Sport nicht nur die körperliche Fitness verbessert und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt. Auch auf den Verlauf der rheumatischen Erkrankung selbst hat regelmäßige Aktivität einen positiven Einfluss. „Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass Sport die Beschwerden mildert", erläutert Kladny. Der Experte verweist auf eine im Juni in der Fachzeitschrift Arthritis Research & Therapie (2011, Band 3(3), Seite: R108) veröffentlichte Studie, nach der Anzahl und Dauer der Klinikaufenthalte von Rheumapatienten zurückgehen, wenn sie regelmäßig Sport treiben.
Auch ein Gelenkersatz spreche nicht gegen Sport, betont der Experte, der dieses Thema auch auf dem DGRh-Kongress in München mit seinen Kollegen diskutieren wird. Es gebe aber Grenzen: Unkontrollierte Drehbewegungen und Stoßbelastungen können die Gelenke schädigen. Rheumapatienten sollten deshalb Ballspiele und Springsportarten sowie Wettkampfsport und Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko vermeiden. Gut geeignet seien dagegen Radfahren, Schwimmen, Wandern und Tanzen oder auch Nordic Walking. Wichtig sei, den Sport regelmäßig zu betreiben. Optimal für Rheumapatienten seien zweieinhalb Stunden Bewegung und Ausdauertraining pro Woche.
Auch Kinder und Jugendliche mit Rheuma müssen auf Sport und Spiel nicht verzichten. Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) bearbeitet in einer eigenen Kommission „Sport" Empfehlungen auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. Sport könne den betroffenen Kindern wieder die Freude an Bewegung vermitteln und die soziale Integration unterstützen. Hier engagiert sich auch die Kinder-Rheumastiftung unter der Schirmherrschaft von Rosi Mittermaier.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
