12.04.2011

Strategische Therapie der frühen Rheumatoiden Arthritis erfolgreich

Wenn die Rheumatoide Arthritis frühzeitig mit den richtigen Medikamenten behandelt wird, kann ein Krankheitsstillstand auch nach Absetzen der Medikamente erreicht werden.

Wie oft kommt es zum Rückfall, wenn bei Patienten mit früher Rheumatoider Arthritis (RA), deren Krankheitsaktivität niedrig bzw. seit längerem zum Stillstand gekommen ist, die bisher eingesetzten Rheuma-Medikamente ausgeschlichen werden? Dieser Frage sind niederländische Forscher aus Leiden um Dr. Naomie Klarenbeek nachgegangen, indem sie die Daten der so genannten BeSt-Studie analysierten, die 2005 auf dem EULAR-Kongress in Wien erstmals vorgestellt wurde. Seither hat eine Re-Analyse der in der BeSt-Studie aufgenommenen Daten zur Beantwortung weiterer Fragestellungen gedient und dabei wiederholt aufschlussreiche Informationen über wirksame Behandlungs-Strategien (daher die Abkürzung BeSt) bei der Therapie von Patienten mit früher RA geliefert.

An der ursprünglichen BeSt-Studie nahmen 508 Patienten mit früher RA (die nicht länger als zwei Jahre bestanden hatte) teil, die nach dem Zufallsprinzip vier verschiedenen Therapiegruppen zugeteilt wurden, bei denen sich die eingesetzte Kombination der eingesetzten Medikamente unterschied. Das Therapieziel war, die Krankheitsaktivität der Patienten medikamentös einzudämmen (Zielwert gemessen am disease activity score: DAS > 2,4). Während der fünfjährigen Studiendauer wurden immer dann Änderungen der Therapie vorgenommen, wenn sich die Krankheitsaktivität merklich veränderte: Sank der DAS für mehr als sechs Monate unter einen Wert von 1,6, wurde das zuletzt eingesetzte Medikament aus der Gruppe der langwirksamen Antirheumatika (DMARD = disease modifying antirheumatic drugs) schrittweise reduziert und dann abgesetzt. Das heißt die Medikation wurde bei einem DAS < 1,6 auf eine Monotherapie mit einem einzelnen Basismedikament reduziert. Stieg der DAS hingegen über 1,6, wurde das zuletzt abgesetzte Medikament sofort wieder eingesetzt.

Als Ergebnis zeichnete sich damals in der BeSt-Studie ab, dass eine gute Behandlung mit unterschiedlichen Ansätzen (z.B. Anfangsmedikation mit Metothrexat plus Prednison oder Infliximab) möglich ist, wobei aber stets darauf geachtet und mit Kontrolluntersuchungen überprüft werden sollte, ob die Krankheitsaktivität bei den Patienten wieder ansteigt. Falls ja, könne schnell mit einer Therapieanpassung reagiert werden - ganz entsprechend einer dynamischen Therapiestrategie.

Wie Klarenbeek und ihre Kollegen jetzt im Fachjournal Annals of the Rheumatic Diseases (2011, Band 70, Seite 315-319) berichten, erreichten 23 Prozent der Patienten mit früher RA (115 Patienten, n=508) einen Krankheitsstillstand nach Reduktion der Medikamente. Von diesen erlitten knapp die Hälfte (46 Prozent, n=53) nach fünf Monaten einen Rückfall, so dass sie erneut eine Monotherapie mit einem DMARD erhielten. Bei der Mehrheit dieser rückfällig gewordenen Patienten (74 Prozent, n=39) konnte dann aber nach drei bis sechs Monaten wiederum eine Remission (niedrige Krankheitsaktivität bzw. Krankheitsstillstand) erreicht werden. Außerdem wurde in der Zeit ihres Rückfalls kein Fortschreiten der Gelenkzerstörung (keine radiologische Progression) festgestellt. Immerhin 59 Patienten (51 Prozent, n=115) erlangten für eine Dauer von im Mittel 23 Monaten ohne Medikamente einen Krankheitsstillstand. (Die restlichen 3 Patienten schieden aus der Studie aus.)

Zu den Faktoren, die bei den Patienten mit einem bevorstehenden Rückfall assoziiert waren und somit die Notwendigkeit einer erneuten Medikation künftig möglicherweise vorhersagen könnten, gehörten der Nachweis eines bestimmten Rheumafaktors, der für RA charakteristisch ist (anti-CCP), der Wirkstoff Sulfasalazin als zuletzt eingesetztes DMARD, ein niedriger HAQ-Wert (Health Assessment Questionaire) und eine relativ hohe Krankheitsaktivität (hoher mittlerer DAS) bis zur Remission.