01.06.2008
Torjubel bei Fußball-EM kann Herzinfarkt auslösen
Fußballfans stehen aufregende Wochen bevor - und damit auch ihrem Herz. Während der Spiele steigt die Gefahr für einen Infarkt...
Momente starker Anspannung während der bevorstehenden EM können Auslöser für einen Herzinfarkt sein. „Vor allem bei Spielen der eigenen Mannschaft ist die Gefahr besonders hoch, da dann die Aufregung am größten ist", warnt Prof. Wolfram Delius vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Studien während der letzten WM in Deutschland hätten gezeigt, dass das Infarktrisiko während eines Spiels und unmittelbar danach um fast das 3-Fache erhöht war.
Kritisch ist sowohl die stetige Anspannung während eines Spiels der eigenen Mannschaft als auch plötzliche Gefühlsausbrüche. Beides bewirkt die Ausschüttung von Stresshormonen, die das Herz-/Kreislaufsystem belasten. Auch zusätzlich belastende Faktoren wie übermäßiger Alkoholgenuss oder Rauchen können sich negativ auswirken. Dabei spielt es wahrscheinlich keine Rolle, ob die eigene Mannschaft gewinnt oder verliert: „Egal ob große Freude oder Ärger - extremer emotionaler Stress kann gefährliche, sogar tödliche Herzrhythmusstörungen auslösen oder zu einem Infarkt führen", erklärt Prof. Delius. „Deshalb steigt das Risiko auch im Verlauf eines Turniers, da die Anspannung durch das Ko-System stetig zunimmt. Auch die Elfmeterschießen in den Finalrunden können kritisch sein", so der Herzspezialist.
Bild: Querschnitt einer Arterie mit
Ablagerung und Blutgerinnsel.Generell sind Männer während der EM stärker gefährdet als Frauen. Ob dies an ihrer höheren Begeisterungsfähigkeit für Fußball liegt oder ihr Herz einfach anfälliger ist, ist noch ungeklärt. Vor allem aber erleiden Menschen mit einer Erkrankung des Herz-/Kreislaufsystems häufiger einen Herzanfall während eines großen Sportereignisses. „Deshalb sollten Menschen mit solchen Erkrankungen während der EM unbedingt ihre Herz- und Kreislaufmedikamente wie vorgeschrieben einnehmen und übermäßige Aufregung vermeiden", rät Prof. Delius. Sollte es trotzdem zu Anzeichen eines Infarkts kommen, muss sofort der Notarzt unter 112 gerufen werden.
