10.01.2016

Ursachen für immunologische Entgleisung bei AIDS gefunden

AIDS-Patienten erleiden oft nach einer Pilzinfektion ein lebensbedrohliches Entzündungssyndrom, dessen Mechanismen jetzt von Forschern der Universität Leipzig aufgeklärt wurden.

Bei der Erforschung eines bisher rätselhaften, lebensbedrohlichen Entzündungssyndroms, das oft bei der Therapie von AIDS auftritt, haben Wissenschaftler der Universität Leipzig um Prof. Dr. Gottfried Alber von der Veterinärmedizinischen Fakultät einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie analysierten die Mechanismen, die zu dieser unkontrollierten Entzündungsreaktion - auch immunologische Entgleisung genannt - führen (siehe European Journal of Immunology, Online-Vorabveröffentlichung am 18.9.2015).

„Das Entzündungssyndrom steht direkt mit einer Pilzinfektion im Zusammenhang, die eine der Haupttodesursachen von HIV-Patienten darstellt. Allein in Ländern südlich der Sahara infizieren sich jährlich mehr als 1.000.000 HIV-Patienten neu mit Kryptokokken, den Erregern dieser Pilzinfektion. Die Sterblichkeit liegt bei bis zu 60 Prozent", erklärt Prof. Alber. Das liegt daran, dass HIV das Immunsystem der Betroffenen unterdrückt. Inzwischen erhalten HIV-Patienten daher immer häufiger Medikamente, die das Immunsystem wieder aufbauen. Allerdings kann dadurch paradoxerweise plötzlich eine unkontrollierte, überschießende Entzündungsreaktion hervorgerufen werden. Diese wird als Kryptokokken-IRIS bezeichnet und stellt ein neues gravierendes medizinisches Problem dar. „Die Patienten erkranken dabei häufig an einer Hirnhautentzündung", erläutert Prof. Alber weiter.

„Es müssen gezielte Therapieansätze für Kryptokokken-IRIS entwickelt werden. Dies erfordert eine detaillierte, systematische Untersuchung der auslösenden Mechanismen. Ein geeignetes experimentelles Modell kann daher entscheidend zum Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen", berichtet Diplom-Biologin Maria Eschke, die bei Prof. Alber am Institut für Immunologie der Universität Leipzig eine Dissertation zu diesem Thema geschrieben hat. Gemeinsam mit Prof. Dr. Steffen Roßner und Dr. Corinna Höfling vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig identifizierte die Arbeitsgruppe die Zellen, die für Kryptokokken-IRIS verantwortlich sind und eine verheerende Kettenreaktion im Körper der Betroffenen auslösen.

„Das ist tatsächlich ein Durchbruch in der Erforschung dieses Entzündungssyndroms", erläutert Prof. Alber. „Die weiteren Forschungsarbeiten zielen nun darauf ab, die komplexen Mechanismen von Kryptokokken-IRIS in der Tiefe zu charakterisieren, um Marker für die Diagnostik und Prognosestellung zu finden und natürlich um gezielte Therapieansätze zu entwickeln", erläutert Institutsleiter Prof. Alber.

Quelle: Universität Leipzig