04.10.2011
Verdacht auf Rheuma stellt medizinischen Notfall dar
Jede Neuerkrankung an Rheumatoider Arthritis ist ein medizinischer Notfall, dessen Therapie in die Hände eines Rheumatologen gehört. Darauf weist die DGRh hin.
Dauerhafte Schäden an den Gelenken lassen sich bei der rheumatoiden Arthritis durch eine frühzeitige und leitliniengerechte Behandlung verhindern. Jede Neuerkrankung ist deshalb ein medizinischer Notfall, dessen Therapie in die Hände eines Rheumatologen gehört. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich der neu überarbeiteten Leitlinie zum Management der frühen rheumatoiden Arthritis hin. Experten haben diese Leitlinie auch schon im Rahmen des 39. DGRh-Kongresses in München Anfang September vorgestellt.
Bei der rheumatoiden Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe in den Gelenken an. In Deutschland leiden rund 450.000 Menschen an rheumatoider Arthritis, Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist mit einer schmerzhaften Schwellung eines oder mehrerer Gelenke, die mit einer Morgensteifigkeit einhergeht. „Betroffen sind oft die Gelenke an Hand, Fingern oder Zehen. Nicht selten kommt es zu grippeähnlichen Allgemeinbeschwerden", erklärt Prof. Dr. med. Matthias Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf, einer der Mitautoren der aktualisierten Leitlinie. „Ein Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis erhärtet sich, wenn die Entzündung länger als sechs Wochen anhält."
In jedem Fall sollte ein Arzt die Beschwerden abklären. Die neue Leitlinie enthält hierfür einen klaren Handlungspfad, mit dem Hausärzte und Orthopäden die Erkrankung schnell erkennen und von Gelenkverschleiß, der Arthrose, unterscheiden können. „Unser Ziel ist es, dass alle Neuerkrankten innerhalb von zwölf Wochen eine fachgerechte Behandlung erhalten", erläutert Schneider. Davon sei man derzeit leider allerdings noch weit entfernt. Bisher dauere es im Mittel 13 Monate, bis Betroffene zu einem Rheumatologen gelangen.
Die Behandlung, die nach Empfehlung der DGRh ein Facharzt koordinieren sollte, besteht in der frühzeitigen Gabe so genannter krankheitsmodifizierender Medikamente (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drug, DMARD). Für diese Basistherapie stehen den Ärzten eine Reihe bewährter Substanzen zur Verfügung. Am häufigsten kommt der Wirkstoff Methotrexat zum Einsatz. Er schwächt den Angriff des Immunsystems ab, der für die Zerstörung der Gelenke verantwortlich ist. Seit einigen Jahren setzen Ärzte aber auch so genannte Biologika ein. Diese molekularbiologisch hergestellten Medikamente hemmen ganz gezielt bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers.
Entscheidend ist der rechtzeitige Beginn der Therapie. Das Zeitfenster - Ärzte sprechen vom so genannten window of opportunity - ist kurz. Unbehandelt entwickeln zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Patienten im Verlauf von fünf Jahren schwere dauerhafte Gelenkschäden. Um dies zu verhindern, sollte die Therapie spätestens sechs Monate nach Krankheitsbeginn einsetzen. „Je eher, desto besser", betont Schneider. „Wenn jeder Patient mit rheumatoider Arthritis von Beginn der Symptome an leitliniengerecht behandelt würde, könnten mehr als 90 Prozent dieser Menschen ein ganz normales Leben führen."
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
