18.03.2012
Vor Reisen nach China möglicherweise auch gegen Tollwut impfen
Derzeit reisen besonders viele Touristen aus Deutschland nach China. Da dort Tollwut weit verbreitet ist, sollte man sich überlegen, ob eine Tollwut-Impfung sinnvoll wäre.
Kürzlich berichteten die chinesischen Behörden (China National Tourism Administration), dass im vergangenen Jahr besonders viele Touristen aus Deutschland China besucht haben – nämlich 637.000, das heißt so viele wie nie zuvor und wie aus keinem anderen Land in West-Europa. Da China nach Indien das Land mit den höchsten Zahlen gemeldeter Tollwutfälle bei Menschen und Tieren ist, raten die Internisten vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), sich vor einer geplanten China-Reise vom Arzt beraten zu lassen, ob eine vorbeugende Tollwutimpfung sinnvoll ist - insbesondere wenn auch ländliche Regionen auf dem Programm stehen. „Hauptüberträger der Tollwut sind streunende Hunde. Selbst unauffällig wirkende Tiere am Straßenrand können mit der gefährlichen Krankheit infiziert sein und oft unvermutet beißen“, erläutert Prof. Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Infektionsexperte des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Neben Hunden können zahlreiche andere Säugetiere das Tollwut-Virus übertragen, wie z. B. Füchse, Katzen, Affen und auch Fledermäuse. „Grundsätzlich sollte man freilaufende oder fremde Tiere nicht streicheln oder berühren“, empfiehlt Löscher. „Für eine Übertragung des Tollwut-Erregers muss der Hund unter Umständen nicht einmal zubeißen: Hat der Urlauber etwa eine Hautverletzung, kann allein schon der Kontakt mit Speichel verhängnisvoll sein.“ Für eine vorbeugende Tollwut-Impfung sind drei Impfungen innerhalb eines Zeitraums von mindesten drei Wochen erforderlich.
Ohne Behandlung droht Ungeimpften eine tödlich verlaufende Hirnentzündung
Der Tollwuterreger ist ein zu den so genannten Rhabdo-Viren gehörendes Virus, dessen Übertragung durch den Speichel infizierter Tiere erfolgt. „Ohne Behandlung können diese Viren zum Gehirn wandern und eine Hirnentzündung verursachen, die immer tödlich verläuft“, warnt Löscher. „Wer in einem Risikogebiet von einem tollwütigen bzw. tollwutverdächtigen Tier gebissen, gekratzt oder mit dessen Speichel in Kontakt zu Schleimhäuten oder Wunden gekommen ist, sollte sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Eine Wunde muss so schnell wie möglich mit Seife oder Detergentien gereinigt werden. Außerdem sollte unverzüglich eine so genannte postexpositionelle Tollwutschutzbehandlung erfolgen, um eine Erkrankung zu verhindern.“ Dazu sind fünf Impfungen nötig, wobei mit der ersten Impfung gleichzeitig auch ein Tollwut-Immunglobulin verabreicht wird, um die Zeit bis zum Wirkungseintritt der Impfungen zu überbrücken. Allerdings stehen gerade in Ländern wie China moderne Impfstoffe mit guter Verträglichkeit und hoher Wirksamkeit außerhalb der Stadtzentren oft nicht zur Verfügung. Auch Tollwut-Immunglobulin ist außerhalb der Industrieländer oft nicht verfügbar. „Eine vorbeugende Impfung ist daher vor allem empfehlenswert bei Reisen in Gebiete mit mangelhafter oder fehlender Versorgung mit modernen Impfstoffen", rät Löscher.
Fragen rund um Impfungen können auf www.impfenimdialog.de an Experten gestellt werden, die sie innerhalb von 3 Tagen online beantworten.
