27.04.2009
Vorsicht beim Bärlauch-Sammeln
Nach dem Tod eines Sammlers in Bayern, warnen Experten vor der Verwechslung mit der giftigen Herbstzeitlose...
Bild: Bärlauch (pixelio)Experten raten wegen der hohen Verwechslungsgefahr mit einer giftigen Pflanze vom Bärlauch-Sammeln ab. Bärlauch sehe den Blättern der giftigen Herbstzeitlose sehr ähnlich, sagt die Leiterin des Giftnotrufs München, Gabrijela Gerber. „Rund 30 Anrufe bekommen wir im Jahr von Menschen, die glauben, sich vergiftet zu haben. Bei einem Drittel handelt es sich dann wirklich um eine Vergiftung." Ein Fall pro Jahr im Zuständigkeitsbereich des Münchner Giftnotrufs ende sogar tödlich.
Ein 70-jähriger Bärlauch-Sammler aus Neufahrn (Landkreis Freising) war am Sonntag an den Folgen einer Vergiftung mit Blättern der Herbstzeitlose gestorben. Er hatte die giftige Pflanze mit dem Bärlauch verwechselt und in großen Mengen verzehrt. „Vor 10 Jahren gab es noch kaum Fälle einer Vergiftung durch die Herbstzeitlose. Jetzt nimmt die Anzahl zu", sagte Gerber. Sie führte dies auf den neuen Trend zum Verzehr von Bärlauch zurück. „Der ist ja jetzt erst bekannt geworden, früher wurde der gar nicht so viel gegessen." Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort der Notruf kontaktiert werden.
Der Verlauf der Vergiftung mit Blättern der Herbstzeitlosen ist immer gleich. "Beim Verzehr merkt man es nicht immer, manche sagen, dass es bitter schmeckt. Dann, nach einer bis 6 Stunden, kommt es zu einem komischen Gefühl im Mund", sagte Gerber. Vor allem im Hals mache sich ein Kratzen und Brennen bemerkbar. Weitere Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Deshalb ist auch ein Kreislaufzusammenbruch oder Organversagen häufig die Todesursache. "Es handelt sich um des Zellgift Colchizin, das Leber, Nieren, Lunge, Herz und Gehirn angreift", erklärt Gerber. Ältere Menschen seien stärker gefährdet.
Knoblauch-Geruch kann trügerisch sein
Bild: Herbstzeitlose im Herbst
(pixelio)Trotz der großen Ähnlichkeit können die Blätter des Bärlauch und der Herbstzeitlosen unterschieden werden: "Bärlauch-Blätter haben einen Stängel. Die Herbstzeitlose wächst dagegen direkt aus der Erde", erklärte Gerber. Der bärlauchtypische Knoblauchgeruch sei hingegen kein Unterscheidungskriterium, da die Finger nach dem Reiben eines Blattes diesen Geruch annehmen und danach jedes geriebene Blatt scheinbar so riecht.
Behandelt werden können nur die Symptome, denn bislang gibt es kein Gegengift. Anders ist dies bei den ebenfalls giftigen Maiglöckchen, deren Blätter auch denen des Bärlauchs ähneln. Vergiftungsfälle mit Maiglöckchen sind allerdings nach Auskunft von Gerber äußerst selten.
