07.04.2021

Wann Allergiker bei der Corona-Impfung vorsichtig sein sollten

Besonders Allergiker sind verunsichert. Fakt ist, dass eine Corona-Impfung nur in äußerst seltenen Fällen starke allergische Reaktionen hervorruft.

In äußerst seltenen Fällen kann eine Corona-Impfung starke allergische Reaktionen hervorrufen. Das  verunsichert Betroffene. In den Allergie-Ambulanzen erlebe man immer wieder wegen der Impfung schwer beunruhigte Patienten. „Viele möchten sich impfen lassen und freuen sich auf die Impfung und dann lesen sie, dass womöglich schwere Reaktionen folgen können - das hat große Verunsicherung hervorgerufen“, verdeutlicht Prof. Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. Weil immer mehr Menschen nun Impftermine bekommen, wachse das Interesse an der Impfung, aber eben auch die Unsicherheit unter den Allergikern.

Doch wie groß ist das Risiko wirklich? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt auf ihrem Online-Informationsportal Infektionsschutz.de: Seit Einführung der Impfung in England und den USA sei über einige starke allergische Reaktionen bei Geimpften berichtet worden, die kurz nach der Impfung aufgetreten seien und behandelt werden mussten. Genaue Daten zur Häufigkeit solcher Reaktionen nach der Corona-Schutzimpfung aber seien aktuell noch nicht verfügbar.

Klimek sagt mit Blick auf die ersten vorliegenden Zahlen, dass wohl gerade die neuen mRNA-Impfungen von Biontech/Pfizer und Moderna hier ein etwas höheres Risiko im Vergleich zu sonstigen Impfungen gezeigt haben - das sei irgendwo zwischen 2,5 und 4-fach erhöht. Allerdings, ordnet der Experte ein, seien das trotzdem noch sehr seltene Fälle. Auf 100.000 Impfungen komme ein Fall.

Es ist auch nicht so, dass dies ein Problem allein der Corona-Impfstoffe ist. Allergische Reaktionen können in Zusammenhang mit Medikamenten immer auftreten. Niemand werde durch den Impfstoff auf einen Stoff allergisch, sondern sei schon vorher sensibilisiert worden, erklärt Klimek. Gespritzt ist die Dosis aber höher, weshalb eben mitunter die starken Reaktionen auftreten.

Die Problematik betrifft zudem nicht alle Allergiker gleichermaßen: „Wer einen Heuschnupfen hat, hat eigentlich kein höheres Nebenwirkungsrisiko als Menschen ohne Allergie.“, betont Klimek.

Wer jedoch schon einmal allergische Reaktionen auf bestimmte Medikamente, Abführmittel oder etwa auf ein Röntgen-Kontrastmittel gezeigt hat, könnte eventuell auf Bestandteile in den Impfstoffen reagieren. Bekannte allergieauslösende Stoffe in Medikamenten seien etwa Polyethylen-Glykol, Polysorbat oder Ethylenoxid, so Klimek. Dieses Risiko ganz auszuschließen, ist kaum möglich.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) schreibt in ihrem Epidemiologischen Bulletin: Nach der derzeitigen Datenlage sei nicht anzunehmen, dass Personen mit bekannten Allergien ein generell erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen haben, sofern sie nicht gegen einen Inhaltsstoff des jeweiligen Vakzins allergisch sind. Letzteres spricht laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dagegen, sich damit impfen zu lassen.

Betroffene, die schon einmal Überreaktionen auf Medikamente gezeigt haben, sollten sich gegebenenfalls bei ihrer Allergologin oder ihrem Allergologen Rat holen. Sie leiten einen dann unter Umständen an spezialisierte Allergiezentren weiter, die anhand der Allergie der Patientin oder des Patienten und den Inhaltsstoffen der einzelnen Impfstoffe eine konkrete Empfehlung abgeben können. Zum Beispiel, ob statt Biontech nicht eher Astrazeneca die bessere Wahl darstellt oder umgekehrt. „Das ist sehr komplex und kann nicht jede Praxis leisten“, erläutert Klimek.

Unerlässlich ist es, den sogenannten Anamnesebogen vor der Impfung korrekt und detailliert auszufüllen, im Zweifel auch mit Hilfe der Allergologin oder des Allergologen - sodass das Personal im Impfzentrum weiß, auf was es achten muss und gegebenenfalls weitere Abklärungen treffen kann.

Nach der Spritze müssen alle Patientinnen und Patienten im Impfzentrum ohnehin noch eine Viertelstunde vor Ort bleiben - zur Sicherheit. Sind früher allergische Reaktionen nach der Gabe von anderen Impfstoffen aufgetreten, sollte die Nachbeobachtungszeit laut Infektionsschutz.de auf 30 Minuten verlängert werden.

Die schwerste Form der allergischen Reaktion ist der anaphylaktische Schock. „Dieser ist durchaus lebensbedrohlich“, bestätigt Klimek. Dazwischen gibt noch andere Reaktionen, die aber nicht so schlimm seien, zum Beispiel Hautausschlag, Halskratzen oder Juckreiz. Laut BZgA müssen die Impfzentren und die mobilen Impfteams mit einer Notfallausstattung ausgerüstet sein, um im Ernstfall anaphylaktische Reaktionen schnell behandeln zu können.

Quelle: dpa

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