17.12.2008

Wann Gentests zur Krebsdiagnose sinnvoll sind

Gentests sind nicht immer notwendig, selbst wenn ein Angehöriger an Krebs erkrankt ist...

Gentests werden bei Krebspatienten in Zukunft vermutlich häufiger als bisher durchgeführt werden. Sie könnten helfen, die Bösartigkeit des Tumors besser abzuschätzen und die Behandlung gezielter durchzuführen, schreiben Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Deutsche Medizinische Wochenschrift (DMW 2008, 113: Seiten 2084 und 2085).

Wenn die gleiche Krebserkrankung mehrmals in einer Familie auftritt, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass der Tumor erblich ist, schreibt Prof. Peter Propping von der Universität Bonn. Dies gilt vor allem für häufige Krebsleiden wie den Dickdarmkrebs, der zu 2% auf Gendefekte zurückgeführt werden kann. Um diese erblichen Fälle zu erkennen, führen Genetiker zunächst eine Befragung durch:

Sind 3 oder mehr Familienangehörige über mindestens 2 Generationen hinweg an Darmkrebs oder verwandten Tumoren erkrankt? Ist einer der Erkrankten ein Verwandter ersten Grades (Eltern oder Kinder)? Ist einer der Patienten vor dem 50. Lebensjahr erkrankt? Wurde durch eine Darmuntersuchung eine Polypenkrankheit ausgeschlossen?

Nur wenn alle diese Kriterien erfüllt sind, sei ein Gentest den Forschern zufolge sinnvoll. Die Chancen auf ein positives Testergebnis betrage dann 63%. Für Menschen mit wenigen Verwandten gelten die weiter gefassten Bethesda-Kriterien, bei deren Erfüllung der Gentest zu 19% positiv ausfällt.

Ergebnis nicht immer korrekt

Wenn ein Gentest ohne Verdacht durchgeführt wird, ist das Ergebnis dagegen meistens negativ. Der Test war dann nicht nur unnötig und teuer, er kann auch schaden: Da Tests manchmal eine Krankheit übersehen - die Ärzte sprechen von falsch-negativen Ergebnissen - wiegen sich einige Menschen in falscher Sicherheit. Und wenn der Test positiv ist, bedeutet dies nicht notwendigerweise, dass es zum Krebs kommt. Die Chancen betragen je nach Tumor zwischen 20 und 100%. In den anderen Fällen wurden die Patienten unnötig beunruhigt. Ein positiver Gentest ist häufig eine seelische Belastung, er wird als stigmatisierend empfunden und löst manchmal Vorwürfe in der Familie aus.

Gentests ermöglichen individuelle Therapie

Auch Frau Prof. Ortrud Steinlein von der Ludwig-Maximilians-Universität München warnt vor einer Überschätzung von Gentests bei familiären Erkrankungen. Sie sieht hingegen eine Fülle von Anwendungsgebieten bei der Beurteilung von Krebsleiden und deren Therapie in naher Zukunft. Bei weiterer Entwicklung könnten sich die Ärzte dadurch einen Überblick vom genetischen Profil einer Krebserkrankung machen und den Verlauf des Krebsleidens und die Therapiechancen abschätzen, die häufig von den Genen abhängen.

Auch die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten lässt sich durch Gentests vorhersagen. So kann ein Gentest anzeigen, bei welchen Patienten die Dosis des eher selten angewendeten Leukämiemittels 6-Mercaptopurin vermindert werden muss, um schwere Schäden des Knochenmarks zu vermeiden. Mit einem anderen Gentest können die Erfolgschancen von Tamoxifen abgeschätzt werden, einem häufig beim Brustkrebs eingesetzten Medikament.