11.08.2016

Warum Herzinfarkte morgens besonders gefährlich sind

Nach einem Herzinfarkt in den frühen Morgenstunden löst eine überschießende Immunantwort eine stärkere Entzündung aus als in der Schlafphase oder im späteren Tagesverlauf und verschlechtert so die Heilungschancen.

Dass das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, in den frühen Morgenstunden am größten ist, belegen mehrere Studien. Auch der weitere Verlauf hängt vom Tageszeitpunkt ab: Die Sterblichkeit ist bei morgendlichen Herzinfarkten größer und die Heilungschancen sind schlechter. Bislang war jedoch weitgehend unklar, was die molekulare Ursache dafür ist.

Bei einem Herzinfarkt sterben Herzmuskelzellen ab. Daraufhin wandern bestimmte Zellen des Immunsystems (sog. neutrophile Granulozyten) in das geschädigte Gewebe. Sie lösen eine Entzündungsreaktion aus, durch die das abgestorbene Gewebe von Immunzellen abgebaut wird. Insofern spielen die Neutrophilen eine wichtige Rolle beim Heilungsprozess, solange die Immunreaktion im Gleichgewicht ist und sie nicht in zu großer Menge auftreten.

Ein Wissenschaftlerteam um Sabine Steffens, Professorin für Klinische Pathobiochemie am Institut für Epidemiologie und Prophylaxe der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) konnte nun im Mausmodell zeigen, dass der Zustrom der Neutrophilen in den geschädigten Herzmuskel ebenfalls vom Biorhythmus abhängt. Die Immunzellen lösen etwa eine Stunde nach dem Aufstehen - also nachdem die aktive Phase begonnen hat - eine stärkere Entzündung aus als in der Schlafphase oder im späteren Tagesverlauf (siehe EMBO Molecular Medicine, Onliene-Veröffentlichung am 25.5.2016).

„Zu Beginn der aktiven Phase werden mehr Neutrophile aus dem Knochenmark freigesetzt. Beim Menschen liegt die aktive Phase in den frühen Morgenstunden. Ein Herzinfarkt zu dieser Zeit führt zu einer übermäßigen Entzündungsreaktion durch Neutrophile", erklärt Prof. Steffens. Das verschlechtert die Heilungschancen, da sich infolge der stärkeren Entzündung auch mehr Narben im Gewebe bilden und sich der Herzmuskel ausdehnt, was das Herz schwächt.

Die Forscher wiesen zudem nach, dass auch der Chemokinrezeptor CXCR2, der an der Zelloberfläche der Neutrophilen sitzt, nach Uhrzeit arbeitet. Am stärksten kann er direkt nach dem Aufwachen aktiviert (exprimiert) werden. Wurde der Rezeptor medikamentös unterdrückt, verringerte sich die Entzündung und damit die Schädigung des Herzmuskels. „Unsere Studie zeigt, dass der Tageszeitpunkt eine wichtige Rolle für die Behandlung eines Herzinfarkts spielt und dass CXCR2 ein interessantes therapeutisches Ziel sein kann, wenn nach einem Herzinfarkt zu viele Neutrophile in das geschädigte Muskelgewebe wandern", fasst Prof. Steffens zusammen.

Quelle: Ludwig-Maximillians-Universität (LMU)