03.11.2016

Was bringt Sport als Therapie?

Körperliche Aktivität ist ein wesentlicher Baustein in der Therapie von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Ebenso wie Medikamente muss Sport aber richtig dosiert eingesetzt werden.

Sport als Therapie, die dazu beitragen kann, Krankheiten zu besiegen: Nur ein Wunsch - oder doch Wirklichkeit? Zu diesem Thema referierte Prof. Dr. Martin Halle auf dem gemeinsamen Kongress für Sportmedizin und kardiovaskuläre Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR), der vom 30. September bis 1. Oktober 2016 in Frankfurt/Main stattfand.

Dass Bewegung gesund ist und fit hält, sei unumstritten, so der Leiter des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München: „Eine Muskulatur, die beansprucht wird und leistungsfähig ist, beeinflusst den Stoffwechsel und die Funktion vieler Organe, und übt so einen positiven Einfluss auf die Gesundheit aus." Weniger klar sei jedoch oft, dass körperliches Training auch ein wichtiger Bestandteil in der Therapie insbesondere chronischer Erkrankungen ist. „Man hatte sogar im Gegenteil lange Zeit die Vorstellung, dass sich Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt stark schonen müssten, um das Organ nicht zu überlasten", berichtet Prof. Halle. Eine Studie habe bei medikamentös optimal versorgten Patienten mit Herzinsuffizienz jedoch zeigen können, dass ein körperliches Training sicher ist.

Auch bei Patienten mit Krebserkrankungen herrschte noch vor einigen Jahren das Dogma vor, dass insbesondere unter einer laufenden Therapie Ruhe und Schonung eingehalten werden müssten. Heute weiß man, dass ein sportliches Training zur raschen Erholung in der Rehabilitation, zur schnellen Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt. Auch konnte für viele Tumorarten - beispielsweise für Brust-, Darm und Prostatakrebs - eine geringere Sterblichkeit bei sportlich aktiven Patienten nachgewiesen werden.

Ausdauertraining kann auch die körperliche Fitness und das Wohlbefinden von Dialysepatienten verbessern. Nach Angaben von Prof. Halle gibt es Praxen, in denen die Patienten während der Dialyse im Liegen ein Ausdauertraining mit dem Fahrradergometer absolvieren können, sodass sie, quasi nebenher, Muskelmasse aufbauen und ihre Leistungsfähigkeit steigern können. „Ein positiver Nebeneffekt des Trainings ist, dass die Dialysedauer um eine halbe Stunde reduziert werden kann, weil die Kardiozirkulation und damit die Auswaschung höher ist", erklärt Prof. Halle. Diese Sporttherapie sei auch für ältere, schwächere und sogar unterschenkelamputierte Dialysepatienten geeignet.

Abschließend wies Halle darauf hin, dass eine Sporttherapie bei chronisch Kranken, ebenso wie Medikamente, sorgfältig ausgewählt und dosiert werden müsse. „Wenn Sport als integrativer Bestandteil einer ganzheitlichen medizinischen Behandlung verstanden und eingesetzt wird, leistet er einen wichtigen Beitrag zur Therapie", betont Halle.

Quelle: Springer Medizin am 11.10.16