11.02.2016
Was passiert im Herz nach einem Infarkt?
Welche Reparatur- und Heilungsvorgänge nach einer Schädigung des Herzmuskels - beispielsweise durch einen Herzinfarkt- genau ablaufen, war bislang unbekannt.
Nach einer Schädigung des Herzmuskels - beispielsweise durch einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung bedingt - laufen bestimmte Reparatur- und Heilungsvorgänge im Herzmuskel an. Wie diese genau ablaufen, war bislang aber unbekannt. Forschern des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) und der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg ist es jetzt gelungen, diejenigen Zellen abzubilden, die nach der Organschädigung wichtige Funktionen einnehmen (siehe International Journal of Cardiology 2015, Band 194, Seite 44 -49 und European Heart Journal, Online-Vorabveröffentlichung am 20.6.2015). Damit kann die Prognose für die Entwicklung einer Herzschwäche, die dem Infarkt oder der Entzündung meistens folgt, genauer und besser durchgeführt werden. Für Herzschwächepatienten verspricht dies deutlich effizientere Therapieanwendungen und Verfahren.
„Die Heilungsprozesse nach einem Herzinfarkt oder einer Entzündung des Herzmuskels sind größtenteils noch nicht verstanden", erklärt Prof. Wolfgang Bauer, der am Würzburger Universitätsklinikum den Schwerpunkt Kardiale Magnetresonanztherapie und Klinische Elektrophysiologie leitet. Der Kardiologe und Physiker beschäftigt sich mit bildgebenden Verfahren in der Inneren Medizin, mit denen Krankheitsursachen und -verläufe erforscht werden. „Wir möchten herausfinden, was nach der Schädigung des Herzmuskels mit und in dem Organ passiert. Denn bislang spekulieren wir noch, dass gestörte oder überschießende Prozesse zu einer dauerhaften Verschlechterung der Herzleistung und damit zur Herzinsuffizienz führen."
Der Grund, warum man beim Patienten so wenig über die Heilung nach Schädigung des Herzens weiß, liegt daran, dass es keine einfachen Verfahren gibt, um die relevanten physiologischen Vorgänge zu erfassen. Blutwerte sind zu ungenau, Biopsien - also die Entnahme von kleinen Gewebestücken - sind für die Patienten zu belastend, und es kann auch sein, dass man nicht das betroffene Areal findet oder trifft. Den Würzburger Medizinern Dr. Reiter und Dr. Lapa aus der Forschungsgruppe um Prof. Bauer ist es jedoch gelungen, die Entzündungsvorgänge im menschlichen Herzen direkt darzustellen. Die Forscher nutzen nuklearmedizinische Verfahren in Kombination mit der Kernspintomographie, um die Zellen und Umbauvorgänge während der Entzündung im Herzen abzubilden. „Zunächst musste die Gruppe molekulare Spürsonden entwickeln, die die Entzündungszellen sichtbar machen. Das gelang den Forschern Dr. Li und Prof. Samnick mit einer radiochemischen Methode, bei der molekulare Strukturen auf der Oberfläche von Immunzellen markiert werden. Das Ausmaß der Gewebeschädigung im Herzen wurde mit der Kernspintomographie dargestellt. Dabei kann man z.B. das Gewebewasser, das bei einer Entzündung vermehrt ist, oder abgestorbene Zellengruppen sehen. Durch die Kombination der nuklearmedizinischen Technik mit der Kernspintomographie war es uns letztendlich möglich, erstmals bei Patienten das Ausmaß der Schädigung des Herzmuskels nach einem Infarkt darzustellen", erklärt Prof. Bauer.
Für Herzinfarkt- und Herzschwächepatienten sind diese Detaileinblicke in den Krankheitsverlauf von immenser Bedeutung. Denn ihre Herzerkrankung kann künftig wesentlich genauer diagnostiziert und dementsprechend schneller spezifisch behandelt werden.
Quelle: Universitätsklinikum Würzburg
